Stirner und Engstirnigkeit

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Re: Stirner und Engstirnigkeit

Beitragvon izento » 29. Jun 2017 14:56

Ich möchte eure Diskussion ja nicht unterbrechen ....

Aber ist nicht gerade Donald Trump das beste Beispiel für einen "radikalen Konsumenten"?
...und es wird der Tag kommen dass die Welt versinkt im Chaos. Und wir werden auferstehen und tanzen auf den Ruinen.
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izento
 
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Re: Stirner und Engstirnigkeit

Beitragvon fehlgeleitet » 29. Jun 2017 15:03

Advocatus Diaboli hat geschrieben:
hehe - jetzt verwickelst du dich in widersprüche oder? ;)

natürlich kann ich - ganz im Sinne des radikalen Konsumenten - Religionen und Weltanschaaung wechseln wie es mir beliebt. Crowley hat dazu eine nette Übung. Er hatte einen Ring, und je nachdem an welchem Finger er den Ring trug, spielte er auch eine andere Person.

Ich denke Stirner ist bisher wenig beachtet worden und seine Sicht die Welt zu sehen ist geradzu experimentell, er fordert explizit dazu auf, sich seine eigene Meinung zu bilden. der radikale konsument - also ich selbst - bin die höchste entscheidungsinstanz.

Die eigene Meinung ist es aber, auf deren Grundlage ich selbst entscheide, und eine solche Meinung bilde ich mir lieber auf Basis von Informationen oder noch lieber auf Basis von Experimenten, Theorien über das Leben die am Schreibtisch entwickelt werden sind nunja, ein wenig praxisfern und außerdem ziemlich oldschool. Heutzutage haben wir natürlich auch Computersimulationen. Vielleicht gehört das Forum hier ja zu solch einer


Nein.
Du kannst keine Religion annehmen, denn sie ist nicht das Deine. Deine Sache ist das Deine und nicht die Sache eines andern Gottes.
Das mag widersprüchlich wirken, wenn man es nicht versteht. Ich will dich nicht überzeugen, denn das Ganze ist an sich schon überzeugend, wenn man denn überzeugt werde möchte.
Wenn nicht, ist es Zeitverschwendung.

Natürlich sammelt du zur Meinungsfindung externe Informationen. Alleine schon, wenn du Etwas sinnlich wahrnimmst, ist das eine Information.

Im Moment bist du damit beschäftigt, gegen mich zu argumentieren. Nun geht es aber nicht um die Auseinandersetzung mit mir, denn ich kann dir egal sein.

Ich bin nicht geduldig genug um alles zu erkären, zumal meine Sache nicht das Bekehren von Anderen ist.


Ich gebe zu, wenn du vor deinem Rechner sitzt und Informationen/Games/Musik/wasauchimmer konsumierst, kann man schonmal denken, dass die Außenwelt gar nicht existiert.

Aber immer wenn ich die virtuelle Welt verlasse werde ich scheinbar eines anderen belehrt.

Schon die Einkäufe zu meiner Wohnung zu schleppen geht mir extrem auf den Sack und ich fühle mich auf einmal gar nicht mehr so wohl in meiner Ego-blase.

Wie auch immer - ich denke Stirner ist ein Denkansatz aber erklärt nicht alles.

Wahr ist: Der Materialismus (wie zb von Stirner vertreten) hat die beste Theorie von der Welt in der wir leben. Das heißt nicht, dass diese Theorie vollständig ist und es außer dem Materialismus nichts mehr zu bedenken gebe. Im Grunde haben viele Wissenschaften versucht den Erfolg der Physik nachzumachen, konnten ihn aber nicht wiederholen. Und weil der Materialismus eben häufig nicht liefern kann (zb was eine Theorie des Bewußtseins angeht) ist man zum Beispiel in der Philosophie dabei, sich wieder nach alternativen Deutungen im Bereich der qualia umzuschauen.

So erstmal genug geschwafelt.
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Re: Stirner und Engstirnigkeit

Beitragvon fehlgeleitet » 29. Jun 2017 15:04

izento hat geschrieben:Ich möchte eure Diskussion ja nicht unterbrechen ....

Aber ist nicht gerade Donald Trump das beste Beispiel für einen "radikalen Konsumenten"?


höhö, ein Leistungsträger ist er jedenfalls mit Sicherheit nicht :lol:
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Re: Stirner und Engstirnigkeit

Beitragvon Advocatus Diaboli » 29. Jun 2017 15:09

izento hat geschrieben:Ich möchte eure Diskussion ja nicht unterbrechen ....

Aber ist nicht gerade Donald Trump das beste Beispiel für einen "radikalen Konsumenten"?


Ja, klar und der arme Maxi Stirner muss sich jetzt im Grab rumdrehen.
-
Im Ernst der Begriff "Konsument" ist wohl inzwichen etwas anders definiert. Mit dem ursprünglichen Inhalt nicht mehr so viel zu tun.
Trump würde ich eher als devote Witzfigur mit preinlichem Toupet bezeichnen, statt als radikalen Konsumenten. Aber auch das obliegt natürlich der Interpretation des Einzelnen.

>:->
Ich entscheide, ob es in mir das Recht ist; außer mir gibt es kein Recht. Ist es mir recht, so ist es recht. (Stirner)
-
Anti-Humanismus und Egoismus für ein bessere Welt.
Advocatus Diaboli
 
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Re: Stirner und Engstirnigkeit

Beitragvon fehlgeleitet » 29. Jun 2017 16:00

Ich denke man kann die Frage mit JA beantworten.

Für Trump als radikaler Konsument spricht:
-unbedingter Opportunismus
-nur er selbst ist wichtig, dass geht sogar soweit, dass ihm sein äußeres Erscheinungsbild unwichtig ist, was manchmal mit Punkt 1 in Konflikt gerät
-anstrengungen werden vermieden, er liest nichts, selbst wenn die Information wichtig ist, einfach weil ihm lesen keinen Spaß macht
-er ist sogar stolz darauf vollkommen unvorbereitet irgendwelche wichtigen entscheidungen zu treffen, weil er sich so nicht reinreden lässt

alllerdings ist das nicht Stirners Schuld, selbst in tausend Jahren hätte Trump noch nie was von Stirner gehört. Stirner beschreibt eher einen Teil der Realität, also wie sich viele Menschen verhalten, weil es auch häufig so angenehmer ist.

Ich denke das Trump vor allen Dingen die Hoffnung repräsentiert, die gute alte Zeit des Kapitalismus zurückzuholen, als es der Mittelklasse noch gut ging und der Kapitalismus amerikanischen Intressen diente. Natürlich betrügt Trump sie alle, man kann die gute alte Zeit auch nicht so einfach zurückholen.

Weiterhin repräsentiert Trump den zunehmenden unwillen des einzelnen sich mit der Gesellschaft als solcher zu identifizieren. Wer würde von sich heute noch sagen: "Ich bin Sozialdemokrat" oder "Ich bin europäischer Bürger". Das Mißtrauen gegen den Staat, gegen jegliche Ideologie und auch gegenüber der Berichterstattung ist groß, es gibt keine Utopien mehr sondern nur Betrüger und Betrogene.

Und hier sticht Trump heraus, weil er seine kriminellen Machenschaften und seine Inkompetenz und Gleichgültigkeit vollkommen offen zur Schau stellt, wo andere Politiker wenigstens versuchen sie zu verstecken und dadurch noch unglaubwürdiger wirken.

Edit: Man sollte jetzt aber nicht den Fehler machen im "radikalen Konsumenten" den Teufel dieser Zeit zu sehen. Sein Vice Mike Pence hat auch gehörig einen an der Waffel, er ist fundamentalistischer Christ. Die Schuld bei den passiven Konsumenten zu suchen ist ein zu billiger Trick, es gibt nämlich Gründe warum sich eine gewisse Ideologiemüdigkeit ausgebreitet hat. Komplexes Thema, definitiv.
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Re: Stirner und Engstirnigkeit

Beitragvon gabor » 29. Jun 2017 17:07

Produzenten-Konsumenten-Destruenten.....so geht es richtig.
Und dann von vorne.
Lachen tut der Drittgenannte....vor allem, wenn sich der Konsument den eigenen Ast absägt.
Immer bereit!
Woher soll ich wissen, ob die Vergangenheit keine Fiktion ist, die nur erfunden wurde, um den Zwiespalt zwischen meinen augenblicklichen Sinneswahrnehmungen und meiner Geistesverfassung zu erklären?
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