Stammzellen und unser eignes Erbe

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Stammzellen und unser eignes Erbe

Beitragvon khezef » 11. Feb 2016 14:52

Hallo ihr Lieben,

Ein Thema, das wohl schon seit einiger Zeit durch Mainstreampresse und Fachpresse geistert, ist der Umgang und die Nutzung von Stammzellen für therapeutische Zwecke.
Zum kurzen Auffrischen, eine Stammzelle ist eine noch nicht entwickelte Zelle, welche sich in verschiedene Zelltypen ausdifferenzieren/entwickeln kann. Welche und wie viel, das hängt vom Typus und dem Alter der Stammzelle ab, aber das Kernkonzept ist das Gleiche.

Aktuell sind sie so etwas wie der heilige Gral der regenerativen Medizin, da sie das Potenzial hätten, zahlreiche Krankheiten und Gebrechen wie etwa Querschnittslähmung oder Parkinson zu behandeln.
Dazu kommt aber das Problem ihrer Gewinnung. Die effektivsten und am besten verwendbaren Stammzellen lassen sich aus einem menschlichen Embryo im Frühstadium gewinnen (die bestehen meist aus nicht mehr als ein paar Dutzend Zellen), alternativ kann man diese auch aus Nabelschnurgewebe oder dem gesunden Gewebe Erwachsener gewinnen, nur sind diese weit nicht so flexibel oder benutzbar.

Das Problem, welches sich stellt ist das Ableben des Embryos, denn der wird zerstört, wenn man ihn zur Stammzellengewinnung benutzt.
Streng genommen würde man damit einen menschliche Organismus, so man diesen schon als eigenständiges Lebewesen betrachtet, töten. Darum ist diese Methode an sich auch noch nicht wirklich legal zur Nutzung von Stammzellen am Fließband.

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Ein weiteres Thema, was für mich mit dieser Diskussion Hand in Hand geht, ist die Manipulation des menschlichen Erbgutes.
Mit einer sogenannten Gentherapie kann man bei erwachsenen Menschen DNA einbringen, welche bei Kankheiten, die das Erbgut betreffen, das "kranke" Stück gegen das eingebrachte "gesunde" austauscht.
Obwohl an diesem Ansatz nun seit mehreren Jahrzehnten geforscht wird, kam bisher relativ wenig heraus. Im EU-Raum ist erst eine solche Therapie zugelassen und mehrere Betrugsfälle bei Forschungsergebnissen in der jüngsten Vergangenheit sowie Todesfälle sorgen für entsprechende Skepsis bei diesem Therapieansatz.

Eine Alternative wäre nun, den Menschen zu "therapieren", bevor dieser überhaupt geboren wird. Sprich, würde ein Paar planen schwanger zu werden, so würde die befruchtete Eizelle, bevor sie eingebracht wird, zuerst untersucht und bei möglichen vorhandenen genetischen Defekten das Erbgut entsprechend manipuliert werden, dass dieser Teil des Erbgutes entfernt/ausgetauscht wird oder nicht zum Zug kommt. Erst dann wird die Schwangerschaft eingeleitet-
Diese Art der Manipulation ist wesentlich unkomplizierter, weil man mit der Problemstelle direkt arbeiten kann und diese nur aus einer oder einigen wenigen Zellen besteht anstatt einem ganzen Menschen mit mehreren Billionen und die entsprechenden Techniken an sich auch schon etabliert, da sie etwa in der Tier- und Pflanzenzucht bereits benutzt wird und in der Forschung an Mikroorganismen bereits seit Jahrzehnten Anwendung finden.

Die Sache ist nun hier wieder eine ethische und hat meiner Meinung nach noch viel mehr Gewicht als die im ersten Thema. Wir spielen hier mit etwas, was den daraus resultierenden Generationen aufgebürdet wird, die damit leben müssen. Das heißt sie wären das entsprechende Versuchskaninchen und Langzeitentwicklungstests würden sich über Jahrzehnte ziehen. Es könnte ein Leben unheimlich erleichtern, oder aber bei Misslingen zu schlimmen Konsequenzen und Missbildungen führen.
Außerdem könnte, wenn einmal ins Rollen gebracht, diese Art der Therapie einen ganz neuen Zugang bedeuten, wie wir mit unserem Nachwuchs und unserer Fortpflanzung umgehen. Übertrieben (?) gesprochen geht man lieber zum Arzt für was kleines Blondes mit kräftigen Händen, anstatt die eigne Genlotterie im Schlafzimmer entscheiden zu lassen.

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Nun, wie seht ihr die Sache? Das sind Fragen, die in den nächsten Jahren immer mehr nach einer klaren Beantwortung verlangen werden, wenn man nicht weiter vor und zurück dümpeln möchte.
Wie seht ihr das?

Ich selbst sehe es so, dass es auch für die medizinische Forschung gewisse Grenzen gibt. Diese sind jedoch für mich mit der Gewinnung von Stammzellen aus menschlichen Embryonen im Alter von 2-3 Tagen noch nicht erreicht, das wäre etwas, womit man meines Verständnisses arbeiten könnte, mit Konsensus der Mutter und unter entsprechenden Regulierungen versteht sich.
Wobei sich auch mir noch die Haare streuben, ist die direkte Manipulation am Erbut von Menschen, welche dann damit aufwachsen. Ich halte schlicht unser aktuelles Verständnis auf diesem Gebiet schlicht noch für unzureichend. Auch wenn die Techniken, mit denen Operiert wird, an sich gut sind und passen würden, ist das Verständnis von den Hintergrundmechanismen und wie unser Körper bis ins letzte Detail wirklich funktioniert, meiner Ansicht nach noch viel zu unzureichend.

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Re: Stammzellen und unser eignes Erbe

Beitragvon fehlgeleitet » 11. Feb 2016 17:39

sehr praktikabel würde mir erscheinen, abgetriebene föten weiter zu verwenden.

ich denke das es hier nicht so sehr um eventuelle möglichkeiten geht, die sich aus der forschung ergeben könnten, sondern probleme begriffe wie menschenrechte noch sauber definieren zu können, wenn zwischen produkt und mensch kaum noch unterschieden werden kann.

ich denke keine krankenkasse wird ein "kind nach maß" zahlen, und so wird die horrorvision von modegencodes wohl die außnahme bleiben. auch werden die meisten eltern wohl risikoavers sein, was neue unerforschte therapiemöglichkeiten angeht.

und ob es überhaupt gemacht wird: wenn nicht in europa, so in china, falls es sich lohnt.
Nimm die Hand aus der Hose wenn ich mit dir rede!
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Re: Stammzellen und unser eignes Erbe

Beitragvon gabor » 11. Feb 2016 18:48

Optimierung der Embryonen....macht man bei Rindern schon lange...bzw. Optiemierung des Erbgutes.
Spermien werden nach männlichen, und weiblichen Vererbern getrennt...Zuchtlinien entwickelt, mit Leihmutterschaft gearbeitet...dient alles der Leistungsoptimierung.
Aber was kommt dabei heraus?
Mittlerweile sind alle Rindviecher in Deutschland miteinander verwandt....es kommt zu Inzuchtdepressionen.
Und da, wo es nicht dazu kommt, erhält man Tiere mit Leistungsmerkmalen, die einfach für den Organismus nicht mehr tragbar sind.....sprich, so`ne Kuh wird keine 5 Jahre alt.
Wo soll das hinführen? Der Supermensch?
Natürliche Selektion haben wir ja nun schon fast völlig abgeschafft (ausser bei Leuten die beim Selfie schiessen irgendwo runter fallen),Krankheiten "besiegen" wir auch immer besser(wobei seelische Defizite ja nun nur noch therapiert werden,nicht geheilt).
Diese ganze Stammzellengeschichte... :lol: :lol: :lol: :lol: ...ja,da wird den werdenden Eltern erstmal Angst mit Krebs gemacht, um sie dazu zu bringen Nabelschnurblut konservieren zu lassen...mit dem Versprechen, dass ja mal hellere Zeiten anbrechen könnten, und das DANN was nutzen könnte, WENN...so ein Scheiss!
Bezahlt wird freilich im Voraus. :lol:
Versicherungen werden auch so verkauft..... ;) ;)
Das Geschäft mit Stammzellen ist ein Pokerspiel....die Bank gewinnt am Ende immer.
Und abgetriebene Embryonen zu verwenden...ich bin nun nicht wirklich dünn besaitet...ABER...Müll ist Müll !
Immer bereit!
Woher soll ich wissen, ob die Vergangenheit keine Fiktion ist, die nur erfunden wurde, um den Zwiespalt zwischen meinen augenblicklichen Sinneswahrnehmungen und meiner Geistesverfassung zu erklären?
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Re: Stammzellen und unser eignes Erbe

Beitragvon Tyger » 12. Feb 2016 09:08

Bei der Gewinnung von Stammzellen sehe ich eigentlich kein Problem; zumindest Nabelschnurgewebe sollte doch bei jeder Geburt anfallen.
Große Probleme sehe ich dann aber bei der Anwendung der Sache. Wir wissen, wie es läuft, gerade in der Medizin: Irgendwelche Details werden andeutungsweise ein bisschen verstanden, das heißt dann: Es ist erforscht und wir wissen, wie es funktioniert. Vertrauen Sie uns, wir wissen, was wir tun, das ist alles wissenschaftlich.
Wenn sich dann hinterher herausstellt, dass Waschen doch nicht durch Parfümieren ersetzbar war, dass all die sinnlos herausoperierten Mandeln doch nicht nutzlos waren, dass Heroin und Contergan doch nicht unbedenklich und nebenwirkungsfrei waren usw. usf. - tja, dann konnte ja schließlich niemand etwas dafür, so weit war die Wissenschaft eben noch nicht. Reicihlich Geld ist auf jeden Fall damit verdient worden und nur darauf kommt es an.
Ich finde, mit der Anwendung dermaßen heikler Anwendungen wie Gentechnik am Menschen dürfte ganz einfach kein Geld verdient werden. Forschung ja, Vermarktung nein; das könnte vielleicht die schlimmsten Auswüchse verhindern.
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