For You- Eine Kurzgeschichte

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For You- Eine Kurzgeschichte

Beitragvon Xerxes » 29. Feb 2016 18:08

Vorbemerkung:
Die Folgende Kurzgeschichte entstand Gestern Nacht um drei. Ich hoffe sie gefällt euch.

Liebe Amalia,
Ich habe längst vergessen, wann ich das letzte Mal einen Brief an dich Geschickt habe. Es kommt mir vor, als wären es drei Ewigkeiten gewesen. Aber warum auch nicht? Es ist nichts passiert, weswegen sich das schreiben gelohnt hätte. Du weißt genau, wie ich das meine; schließlich bist du nicht auf den Kopf gefallen. Und doch kann ich deine Einwände schon jetzt hören, doch bedenke, das mein Leben ein anderes als deines ist. Du hättest mir schreiben können, doch hätte ich deine Briefe nicht gelesen. Vielleicht hast du auch geschrieben, und ich habe den Brief nur nicht bekommen. Stan ist vor drei Monaten gestorben, wie du vielleicht weißt. Wer soll mir also die Briefe bringen? Solltest du mir also geschrieben haben, so tut es mir leid, das ich nicht geantwortet habe. Hast du es nicht, so bin ich nicht weniger Enttäuscht von mir, vielleicht ist es ja was dazwischen.
Meine Liebe, die Welt ist schwierig geworden, seid wir uns das letzte mal gesehen haben. Wer schreibt heute noch Briefe? Briefe sind Vergangenheit, so wie wir. Manchmal vermisse ich die alten Tage, doch, seien wir ehrlich, nichts bleibt wie es war, die Welt lebt Veränderung. Alles verändert sich, nur wir nicht, hast du das auch in den letzen Jahren bemerkt? Als meine Eltern vor drei Jahren beide kurz nacheinander gestorben sind, hat es bei mir begonnen. Es ist ein innerlicher Zerfall, nicht wahr? Als wäre man eine Mumie, eingemauert bei lebendigem Leib, die von tausend kleinen Käfern vertilgt wird. Sie sind überall, besonders in einem, und manchmal tut es weh, sehr sogar. Wir verändern uns nicht mehr, wir sterben die ganze Zeit, ich denke, das auch du das bemerkt hast. Das Briefpapier selbst ist alt und faltig geworden, also wundere dich nicht. Ich wusste nicht, wo ich anderes hätte hernehmen sollen, und es sind doch auch Erinnerungen, nicht war? Erinnerst du dich noch an den Tag, als wir zusammen Gedichte geschrieben haben? Du konntest das immer viel besser als ich. Manchmal, wenn ich Abends im Bett liege und an die weiße Zimmerdecke starre, denke ich an deine Gedichte. Es ist schade, das du damit aufgehört hast, aber ich verstehe dich. An manchen Dingen hängt einfach zuviel Kummer, das sehe ich ein, und du weißt, das ich es ernst meine.
"Die Sonne schien wie Blei
Über dem Moor zu stehn
Und der Wind zu wehn
Als wäre er Willen frei"
Ich weiß bis heute nicht, was du damit gemeint hast, aber es berührt mich. Das Moor, das hast du geliebt, nicht wahr? Ich weiß nicht ob du es noch weißt, aber die Zeit, die wir am Fluss verbracht hatten, damals, lange bevor Jonas verschwand, lag weit über unserer Zeit in der Zivilisation. In unseren Stundenlangen Gesprächen sind wir damals den alten Philosophen gleichgekommen, haben unser eigenes Weltbild entwickelt. Sicher, ich weiß, für dich ist es längst Wahnwitzige Irrglaube, aber für mich nicht, ich hoffe, das ist dir klar. Der Zobek steht noch immer über meinem Kamin, und er wird dort stehen, bis der letzten Stein dieses Hauses vermodert ist, und auch du wirst mich nicht daran hindern. Natürlich bin ich auch der Meinung, das der Hinduismus die bessere Wahl für dich war; aber ich glaube, auch du kannst dich nicht von den Ewigen lösen, hab ich nicht recht? Ich hoffe, ich tue dir kein Unrecht an, wenn ich dies sage, aber die Nächte hier sind länger als anderswo, und so denke ich sehr viel über alte Zeiten nach. Erinnerst du dich noch an den Sommer vor zehn Jahren? Fast jeden Tag haben wir gegrillt, und es war durchgängig vierzig Grad heiß. Heute gibt es solche Sommer nicht mehr, bemerkst du es auch? Diese "Sommer" sind nur noch Trauerspiele, mehr nicht, und sie werden auch niemals mehr etwas anderes sein.
Hast du den alten Mexikaner eigentlich in all den Jahren noch einmal gesehen? Ich weiß nicht, aber irgendwie geht er mir in letzter Zeit nicht mehr aus dem Kopf. Jonas hat ihn ja damals angeschleppt, als er mal wieder auf einem dieser Trips war. Waren irgendwie alle verrückt, nicht wahr? Besonders der Mexikaner. Jeden Abend hat er diese merkwürdigen Rituale auf dem Hof zelebriert, aber ich befürchte, das du niemals dabei warst. Ich kann es auch garnicht beschreiben, so absonderlich war es. Ich glaube, das er damals eine Art Voodoo da veranstaltet hat, aber ich möchte natürlich nichts beschwören. Es ist ja nicht so, als würde ich mich mit den komischen Geflogenheiten dieser anarchistischen Stämme auskennen oder mich auch nur damit befassen wollen. Aber Unheimlich war es schon immer, wenn der da unten herumgetanz ist, als wäre er bessesen. Ich weiß nicht warum, aber einer dieser Abende ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es war Sommer, einer der guten, und du warst tanzen, soweit ich mich erinnern kann. Ich habe mir ja noch nie was aus dem tanzen gemacht, aber verstanden hast du das nie, oder? Naja, ich trifte ab. Jedenfalls, an diesem Abend war ich mit Jonas und dem Mexikaner unten auf dem Hof. Wir haben Wein getrunken, das haben wir immer getan, und plötzlich hat mir der Mexikaner die Hand auf die Schulter gelegt und geflüstert: "Die Sonne, mein Freund, die Sonne steht tief. Aber du nicht.". Dann war er plötzlich weg, gegangen, ich weiß nicht wohin, und ich habe ihn nach diesem Abend nie wieder gesehen. Und Jonas... das mit Jonas war ja eh schon immer so eine Sache. Immer war er auf irgendwelchen komischen Trips, ich will ja garnicht davon anfangen, das weißt du ja selbst gut genug.
"Das Moor lag starr,
Vereist wie ein glänzenter Spiegel
Reflektiert es die dunkle Wintersonne.
Und alles ist gut.".
Das Gedicht hast du nach seinem Verschwinden geschrieben. Ich hab es mir bis heute aufgehoben, und dabei ist die ganze Sache schon so lange her. Doch Zeit spielt ja nicht wirklich eine Rolle.
Dabei fällt mir ein, weißt du eigentlich inzwischen, was damals zwischen Stan und Jonas vorgefallen ist? Irgendwie ist das an mir vorbeigegangen, und als er dann weg war hat es ja auch niemanden mehr intressiert. Aber mich lässt es nicht los. Warum musste er sich damals mit ihm streiten? Die Situation war ja eh schon schlecht genug gewesen... . Zweifelst du auch manchmal? Es sind alles zuviele Zufälle.
Ich habe dich ja noch garnicht gefragt, wie es dir geht. Soll ich? Macht man das noch so? Ich kenn mich nicht aus mit den neuen Bräuchen, aber ich denke einfach mal stark, das es dir noch genauso gut geht wie bei unserer letzten Begegnung. Eigentlich tut es mir ja auch Leid, aber Gesetze müssen nunmal eingehalten werden, dafür sind sie ja nunmal da. Aber dir geht es ja gut, dort, wo du bist. Ich habe persönlich dafür gesorgt, das du gut behandelt wirst, vertrau mir.
Also. Ich hoffe du bist in guter Gesellschaft. Mit Sicherheit bist du das.
In ewiger Ehre,
E. H. Kampinski
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      of infinity, and it was not meant that we should voyage."
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Re: For You- Eine Kurzgeschichte

Beitragvon Tyger » 29. Feb 2016 22:44

Najaa ... ehrlich gesagt kann ich damit nicht so viel anfangen. Die Story wirkt sehr viktorianisch: viele, viele Worte und Schnörkel um wenig Inhalt. Es ist eine Darstellung des Protagonisten selbst, die als Einleitung einer Story eigentlich ganz gut wäre, aber dann endete es einfach mit düsteren Andeutungen und ich habe mir gesagt: Wie, und das war jetzt alles?
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Re: For You- Eine Kurzgeschichte

Beitragvon Xerxes » 1. Mär 2016 06:56

Was denkst du ist der Sinn? ;)
Kannst was rein interpretieren. Ich hab mir schon was dabei gedacht. Vielleicht mal versuchen das alles Chronologisch durchzugehen. Vielleicht kommt ja jemand drauf :)
Gehab dir wohl,
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