Die "Shishin"

Unentdeckte Tierarten oder Fabelwesen?

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Die "Shishin"

Beitragvon Kirah_Yato » 25. Mai 2006 15:37

Die Ssu Ling sind vier Wächter in Gestalt von Bestien und stammen aus der chinesischen Mythologie. Sie sind ebenfalls bekannt als Shishin oder Shijin. Sie werden ebenfalls in Verbindung gesetzt mit den vier Himmelsrichtungen. Jeder von ihnen hat sieben Konstellationen, welche mit ihnen in Verbindung stehen. Ebenfalls korrespondieren sie zu den fünf Elementen aus Feng Shui.

Byakko
Byakko bedeutet schlicht übersetzt „Weißer Tiger“ oder „Jade Tiger“. Im Chinesischen ist er bekannt unter dem Namen Báihu.
Byakko ist einer der vier Gottheiten oder heiligen Biester. Er ist der Gott des Westens und herrscht über die Jahreszeit Herbst. Es ist ebenso gesagt, dass er die Inkarnation des Metalls ist, eine der fünf Elemente im Feng Shui. Das setzt ihn mit der Farbe Weiß in Verbindung. In der chinesischen Mythologie wird er üblicherweise als König der Tiere oder Herrscher der Berge dargestellt. Aber auch als Gott des Krieges.
In der chinesischen Astronomie steht sein Name für eine der vier Quadranten des Himmels.
In Japan wird er ausserdem mit dem Element Luft in Verbindung gesetzt.
In China stellt er ebenfalls eine der vier königlichen Embleme dar. Der Tiger steht als Beschützer oder Behüter, was gleichzusetzen mit den Generälen der Armee ist. Das Symbol des Tigers wurde in weißen Jade gefasst und ihnen als Auszeichnung gegeben.
Bild von Byakko

Suzaku
Suzaku, im chinesischen auch Zhu Que genannt, bekannt als Phoenix, der Wächter des Südens und Herrscher des Sommers. Im Feng Shui steht er auch für das Element Feuer, was seine rote Farbe ausmacht. Manchmal wird er auch mit Qin Long in Verbindung gesetzt: Zusammen representieren der Phoenix und der Drache die Natur des Geben-und-Nehmen einer glücklichen Vermählung. In Korea ist er ebenfalls bekannt als Ju Jak. Im Japan bedeutet Suzaku soviel wie „Roter Vogel“ oder „Roter chinesischer Phoenix“. In beiden Ländern, Japan und China, symbolisiert dieser rote Vogel den aus Mythologien bekannten Houou bzw. Phoenix.
In Verbindung stehend mit Sommer, Rot, Feuer und Wissen; Er lässt kleine Pflanzen zu riesigen Bäumen heranwachsen. Da der Drache den Herrscher darstellt, nimmt der Phoenix den Platz der Herrscherin ein. Dargestellt mit wilden Federkleid und einer magischen Melodie, erscheint er nur in Zeiten guten Schicksals. Im alten imperialen Palast von Japan gab es ein Tor, welches bekannt war als Suzakumon (Tor des Roten Vogels).
Bild von Suzaku

Seiryu
Seiryu, so wie er im Japanischen genannt wird, ist ebenso bekannt als Qin Long in der chinesischen Kultur. Beides bedeutet schlicht übersetzt „Blau-grüner Drache“.
Das Zeichen für Blau ist ebenfalls das Zeichen für Grün.
Seiryu ist der Gott des Ostens und der Jahreszeit des Frühlings. Es wird ebenfalls gesagt, er sei die Inkarnation des Holzes, welches eines der fünf Elemente im Feng Shui darstellt. Das setzt ihn in Verbindung mit der Farbe Grün (oder auch Blau). In der chinesischen Mythologie wird er üblicherweise als gefürchteter und mächtiger Drache dargestellt. Aber ebenfalls auch als Überbringer vom guten Schicksal und Wohlbefinden. Er ist ebenfalls eine der vier heiligen Biester.
Er steht ebenfalls für eine der vier königlichen Symbole Chinas. Der Drache ist das Zeichen für Authorität, gleichzusetzen mit dem Herrscher von China. Dieses Drachensymbol ist nur eingenäht in der Robe des Herrschers.
Bild von Seiryu

Genbu
Genbu oder im chinesichen Xuanwu, ist ebenfalls eine der vier Gottheiten. Er ist der Wächter des Norden und der Jahreszeit des Winters. Er symbolisiert das Element Wasser im Feng Shui. Die Silbe „Gen“ in seinem Namen bedeutet Schwarz, was auch seine Farbe darstellt. Genbu wird üblicherweise dargestellt, als eine schwarze Landschildkröte. Wechselweise auch zu finden als Landschildkröte mit einem Schlangenkopf oder umschlungen von einer Schlange.
Über Genbu ist leider am Wenigsten zu finden, so dass ich nicht mit Gewissheit sagen kann, welches königliche Symbol er in China darstellt.
Bild von Genbu

Es existiert noch ein weiteres Wesen.
Huánglóng, der gold-gelbe Drachenwächter des Zentrums.
Er wird gleichgestellt mit dem Wechsel der Jahreszeiten, der Farbe Gelb und ebenso dem Element Erde im Feng Shui. Gewöhnlich nicht mit aufgezählt unter den vier Gottheiten.
Image: Zu Huánglóng ließen sich leider keine passenden Bilder finden.

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Zuletzt geändert von Kirah_Yato am 30. Mai 2006 19:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Noriel de Morville » 25. Mai 2006 15:45

Vielen, vielen Dank für diesen genialen Beitrag, der unser Wissen wieder aufs Neue enorm bereichert.Da hast Du Dir sehr viel Mühe gemacht und wie Du sagtest auch noch alles übersetzt...Ein sehr hohes Niveau, Kirah... Respekt!!!

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Beitragvon **Ay** » 25. Mai 2006 15:58

Das ist sehr interessant, Kirah!! ^__^ *lobt*
Und fragst du noch, warum dein Herz
Sich bang in deinem Busen klemmt?
Warum ein unerklärter Schmerz
Dir alle Lebensregung hemmt?


(J. W. Goethe: Faust - Der Tragödie Erster Teil, Z. 410-413)
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Beitragvon tlahuizcalpantecutli » 25. Mai 2006 16:05

Echt interessant, genau dazu habe ich schon mal was geschrieben:
ein Vergleich

Ursprünglich kamen die vier Gottheiten vielleicht aus Tibet, darüber hab ich erst vorgestern etwas gelesen, poste ich gleich auch mal
*seine Aufzeichnungen hervorkram*
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Beitragvon tlahuizcalpantecutli » 25. Mai 2006 17:08

Die bönpo-religion weist da viele Parallelen auf:

Fast die gleichen Götter kommen vor:
Die vier Wächter der Himmelsrichtungen am Berg Ti-se in der Mitte der Welt
-Norden-goldene Schildkröte
-Osten-Tiger
-Westen-roter Khyung(Vogel)
-Süden-türkisfarbener Donner

Die Schildkröte legte sechs Eier, aus denen die Mütter der Klu schlüpften. Die Klu sind die Wassergeister, ihre Gestalt ist die von Schlangen mit Menschengesichtern (die männlichen Klu po) und von Frauen aus Nebel in Kleidern aus Schlangenleibern, die auf Pferden aus Schlangenleibern reiten (die stäkeren, weiblichen Klu mo).

Den Klu ebenbürtig sind die Erdgeister (Sa bdak). Von ihnen gibt es vier Gruppen in den vier Himmelsrichtungen. Diese erscheinen in ähgnlichen Gestalten, aber anscheinend ist da im Lauf der Zeit wohl etwas durcheinandergekommen, denn hier gilt die zuordnung
N->rote Vögel
O->weiße Tiger
S->blaue Türkisdrachen
W->schwarze wilde Yaks

In der Menschenwelt leben die gNyan/Nyen, die auch in jeder hImmelsrichtung ene Gruppe bilden:
N->Wind
O->Bäume, Gestirne
S->Feuer
W->Flüsse

Diesen Geistern der Natur sind die Menschen ausgeliefert und müssen sehr respektvoll mit ihnen umgehen. Dazu vermitteln die Bönpopriester zwischen Mensch und Natur.

Das Volk der Naxi lebt in Yünnan(China) und ist ursprünglich aus Tibet eingewandert. Interessanterweise haben sie in ihrer Religiosität viele tibetische Vorstellungen bewahrt, die ihr Verhältnis zur Natur und den Naturgeistern regeln. Diese heißen Ssù und haben die Gestalt von Schlangen...
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