Hallo allerseits,
da das Thema jetzt dahin gelaufen ist, will ich doch auch nochmal eine Kleinigkeit über Yoga sagen...

Ich halte es durchaus für spannend und hilfreich, sich mit seinem Körper, seinem Geist und seinen Gefühlen intensiv zu beschäftigen, die eigenen Grenzen auszuloten, verschiedene Dinge auszuprobieren, um zu schauen, was sie bewirken usw. Meditieren ist eine feine Sache, wie khezef und Ich mit ihren Worten schon beschrieben, kann man durchaus Formen der Selbstberuhigung und Entspannung kennenlernen und die eigenen unwillkürlichen und willkürlichen Körperfunktionen erforschen. Es ist sicherlich für viele Magier sehr wichtig, sich selbst in allen Facetten zu erfahren, denn er will ja womöglich seine Persönlichkeit nach seinen Vorstellungen formen und verändern - dafür muß er erstmal wissen, wer er überhaupt ist.
Yoga allerdings kann dies alles meiner Meinung nach nicht so leisten, wie sich das viele vorstellen. Ich habe gerade nochmal Patanjali quergelesen, um meine Erinnerung ein wenig aufzufrischen. Ziel des Yoga ist es laut Patanjali, sich von allen Bewegungen und Strömungen des Geistes zu befreien, um einen Zustand tiefster Selbsterkenntnis zu erlangen. Die Regeln, die er dafür aufstellt, sehen vor, daß man sich erstmal von allen 'falschen' Gefühlen und Gedanken befreit (seine Moralvorstellungen beschreibt er auch), daß man seine Gedanken und Gefühle allmählich beruhigt, sich dann auch von den 'richtigen' Gefühlen und Gedanken befreit, schließlich sich sogar reinigt und befreit von jeglichem Samen, aus dem ein Gefühl oder ein Gedanke entstehen könnte. Dies alles kann man natürlich nur erreichen, wenn man ständig und täglich seine Regeln befolgt, fleißig die zahlreichen Praktiken übt und übt und übt und sich voller Hingabe ausschließlich auf dieses Ziel ausrichtet. Wenn man sich dann endlich von allen Gedanken und Gefühlen befreit hat, kann man durch den Rückzug in sich selbst ganz nach Innen gehen und dort in der Stille erkennen, wer man selbst ist...
Daran ist nur ein Haken: wenn ich mich selbst nicht mehr fühlen kann und wenn ich mich von jeglichem Gedanken befreit habe, dann mag ich vielleicht einen schwebenden Zustand der körperlosen Ekstase erleben, aber leider leider fehlt mir die Befähigung, mich selbst noch wahrzunehmen - denn dafür bräuchte ich ja dann doch wieder ein Gefühl oder einen Gedanken. Und nur weil ich einen schwebenden Zustand körperloser Ekstase erreichen kann, bringt mich das weder im Leben allgemein noch magisch insbesondere weiter, denn bei Magie geht es neben der Selbsterkenntnis auch um Wirken und Wollen, um das Begreifen der Welt, um das Erkennen von Zusammenhängen und Beziehungen zwischen Menschen und anderen Wesen und vieles mehr. Yoga führt nicht ins Leben, er lehrt nicht, wie man Ideen und Wünsche verwirklicht und auf magischem Wege in die Existenz holt, sondern er führt in eine Stasis und letztendlich in einen Tod, der mit dem Jenseits, der Anderen Welt, dem Göttlichen, dem Magischen, Seele (oder wie auch immer Ihr jene Welt bezeichnet) herzlich wenig zu tun hat.
Ich sag nur: herzlich willkommen in der Stadt der Pyramiden.
Wie gesagt habe ich nichts gegen Ordnung oder eine gewisse Selbstdisziplin, auch nichts gegen die Erforschung des Körpers, des Atems, des Geistes, der Gefühle usw. Ich fürchte nur, Yoga führt an dieser Stelle nicht zum Ziel, sondern in letzter Konsequenz davon weg. Wer trotzdem gerne Yoga machen will, dem sei das unbenommen. Als Magier bleibt für mich ohnehin der Anspruch, in jedem magischen und nichtmagischen Bereich meine eigenen, individuellen Ansätze zu finden, die zu dem führen, was ich mir selbst vorstelle. Ich habe das für mich im Bereich Yoga geleistet, kann aber das, was ich dabei für mich herausgefunden habe, jetzt sicherlich nicht mehr Yoga nennen, weil es mit den Zielen und Praktiken des Yoga absolut nichts mehr zu tun hat.
@unbekannt, deswegen will ich Dir letztendlich aber nicht den Weg des Yoga ausreden, falls Du ihn wählen solltest. Du wirst so wie jeder hier Deinen Weg suchen und Deine Wahrheiten finden. Hast Du denn inzwischen schon eine Idee, womit Du beginnen möchtest?
Tsaphyre