Weltanschauung der Germanen: DAS GÖTTERGESCHLECHT DER WANEN

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Weltanschauung der Germanen: DAS GÖTTERGESCHLECHT DER WANEN

Beitragvon Sunnar_Baal'echem » 18. Okt 2006 11:19

DIE WANEN:

Wahrscheinlich waren die Wanen das ältere Göttergeschlecht. Das könnte z.B. abgeleitet werden aus den Hinweisen, daß es bei den Wanen anfangs möglich war, daß Geschwister einander heirateten. Bei den Germanen, so wie sie uns bekannt sind, war das praktisch ausgeschlossen, und deshalb wird angenommen, das dies aus einer früheren Kultur überliefert wurde. Die Wanen waren anfangs in Hauptsache Wachstums- und Fruchtbarkeitsgötter und gaben den Menschen die Macht mit der "unsichtbaren Welt" zu kommunizieren.

Wie verbreitet ihre Verehrung war, läßt sich aus der Fülle der Ortsnamen ablesen, die aus dem Namen von Wanengöttern abgeleitet sein sollen. Allein Frey, Njörd und Freya sind in mehr Ortsnamen wieder zu finden, als alle anderen germanischen Götter zusammen. Das sagt schon etwas über ihre Verehrung.

NJORD (NJÖRD):

Njörd ist der Gott des weiten Meeres. Seine Kinder Freyr und Freya wurden unter die Asengötter aufgenommen. Er ist auch der freundliche Beschützer des Ackerbaus und hat die Menschen den Weinbau gelehrt.

Njörds Gemahlin heißt Nerthus. Bevor er in Asgard aufgenommen wurde, mußte er sich zuerst von seiner Gattin, die zugleich seine Schwester war, scheiden, da bei den Asen die Geschwisterehe verboten war. Danach vermählte sich Njörd mit der Riesentochter Skadi.

Als Asen und Wanen nach ihrem Krieg Frieden schlossen, wurden Njörd und seine Kinder Frey und Freya als Geiseln ausgewechselt gegen die Asen Mimir und Hönir, wie es bei einem Friedensvertrag zwischen germanischen Stämmen üblich war. In den alten Quellen liest man, daß Nerthus sowohl Njörds Schwester als auch seine Gattin war. Es wäre aber durchaus möglich, daß es sich hier nur um eine hermaphroditische Gottheit handelt, denn die Namen Njörd und Nerthus deuten auf pesonifizierte Lebenskraft, die weder männlich, noch weiblich ist. Klare Beweise dafür gibt es aber nicht.

Insbesondere in Skandinavien, voller Seen und umringt durch Meere, hatten Njörd und Nerthus viele Verehrer, das zeigt sich neben vielen Ortsnamen, die aus seinem Namen abgeleitet wurden, auch an einer überlieferten nordischen Eidformel: "So helfe mir Njörd und Freyr und der allmächtige Ase."

FREI (FREYR):

wird von den Menschen am 21. Dezember verehrt. Von ihm kommt der Kindersegen des Hauses. Als friedlicer Gott des Frühlings und der Liebe führt er keine Waffe. Mit einem gewaltigen Eber, dessen Fell von goldenen Borsten starrt, fährt er durch die Luft. Auch besitzt er ein goldenes Schiff, das durch Wasser wie durch Wolken segelt, wohin der Gott es will. Von Freyr, dem Gott des Friedens, sollen die alten Friedenskönige abstammen. Unter diesen sagenhaften Königen ragt Frodi von Nordland hervor. Wie der Eber, so war auch das Ross dem Freyr heilig.

Zu Ehren des Lichtgottes Fryr werden auf der Erde sowohl am Julfest, als auch im Sommer und Herbst hochlodernde Feuer angezündet, ein Brauch, der von Freyr hoch geschätzt wird und bis heute noch in Teilen Tyrols durchgeführt wird.

Dieser Gott hieß auch der "Schwedengott", weil er besonders in Schweden weit verbreitet verehrt wurde. Es gab sogar ein schwedisches Fürstenhaus der Ynglinge, das sich darauf berief von ihm abzustammen. Andere, ältere Namen für Frei waren Ing, Ingvy und Ingunar. Neben Tyr ist er der andere von nur zwei Göttern, die einer Rune den Namen (TIWAZ und INGWAZ) gegeben haben.

Auf den Kontinent war seine Verehrung deutlich geringer, aber die Südgermanen ehrten ihn dennoch unter den Namen "Fro" und im Namen der niederländischen (friesischen) Kleinstadt Franeker soll sein Name auch zurückzufinden sein. Die Julzeit war Freys Zeit; es ist bekannt, daß ihm dann die meisten Opfer gebracht wurden.

FREIA (FREYJA, FREIYA):

Sie ist vor allem Kriegsgöttin und als solche Anführerin der Wallküren. Sie ist die Tochter des Njörd und wird zu Recht auch hoch verehrt als jungfäuliche Göttin der Liebe und des Gedeihens in Natur und Menschenleben. Ihr ist die Katze heilig und von diesen Tieren wird ihr Wagen gezogen, wann immer sie durch die Lüfte fährt.

Der Name dieser Göttin bedeutet "Frau" oder "Herrin". Sie soll verheiratet gewesen sein mit dem Gott Od und als dieser verschwand, reiste sie viel umher, um ihn zu finden. Vielleicht deshalb hat sie so viele andere Namen, wie z.B. Vanadis (Wanengöttin), Vanabrudhr (Wanenbraut), Syr (die Bache), Mardoll (Meeresbraut), Gullveig (Goldbegeisterte) und Gefin (Geberin, Schenkerin). Freia lehrte Wuotan die Magie, und herbergt die Hälfte der gefallenen Krieger in ihrem Palast Folkwang (Feld des Volkes). Ihre Attribute sind neben dem von Katzen gezogenen Wagen ein Falkengewand, mit dem sie in die Unterwelt geht und von dort zurückkehrt mit Prophezeiungen und Schicksalskenntnissen, der Eber Hildisvini und die berühmte Kette Brisingamen. Diese Kette war ursprünglich wahrscheinlich ein Amulett in Form eines Gürtels und gab Freia große Macht über die Kräfte, das Wirken und die Reichtümer der Natur. Es wird erzählt, daß man den Gürtel Frauen beim Gebären umlegte, damit die Geburt leichter ging.

Die vier Zwerge, die Brisingamen schufen, sind dieselben die laut Edda (Gylfaginning) das Himmelsgewölbe über der Erde an vier Punkte stützen. Ihren Namen sind Austri (Osten), Vestri (Westen), Sudri (Süden) und Nordri (Norden) und sie sind es auch, die die Kräfte der Natur lenken.

Freias Töchter sind Gnos und Gersimi. Beide Worte bedeuten das Gleiche, Juwel oder Kostbarkeit. Möglicherweise sind das spätere Aspekte der Göttin selber, jedenfalls ist Freia auch bekannt als Schenkerin von Reichtum und reicher Ernte.

Nach den Ortsnamen in Norwegen und Schweden, die auf diese Göttin hinweisen, war ihr Andenken dort weit verbreitet und bis ins 12. Jahrhundert, in dem Snorri Storluson sein Eddateil zusammenstellte, wurde Freia noch verehrt. Hingegen wurden auf dem Kontinent kaum Spuren eines Freiakultes gefunden.

DAS REICH DER HEL, DIE UNTERWELT:

Das Reich der Hel, der Tochter Lokis, ist die Unterwelt, in der die Schatten der Verstorbenen hausen. Als strenge Richterin über Gut und Böse, als Rächerin allen Frevels denken die Menschen sich die Hel in der Gestalt eines grauenerregenden Scheusals. Tief unter den Wurzeln von Yggdrasil sitzt sie, in unbändigem Grimm über ihre Verstoßung. Der Schuldbeladenen wartet ein furchtbares Schicksal: Hel sendet sie in die Niflhel, in die unterste Tiefe ihres Reiches, und in grausamen Qualen müssen sie dort büßen, was sie bei Lebzeiten Übles getan haben. Da lauert ein blutiger Hund von riesenhafter Größe auf die Abgeschiedenen.

In Wirklichkeit kannten die Germanen keinen Strafort für die Toten. Die im Krieg Gefallenen gingen zu Wuotan und Freia, die Ertrunkenenzu dem Gott Ran und die Übrigen zu Hel.

Das Reich hat den gleichen Namen wie die Göttin, wird aber auch wohl "die Hallen der Hel", "salar Heliar" und "Rann Heliar" genannt. Erst im Hochmittelalter wurde das Reich der Göttin Hel als abscheulicher Ort geschildert. Es gibt in den Mythen einige Hinweise, daß die Welten Hel und Niflheim möglicherweise den gleichen Ort bezeichnen, der eigentlich Niflhel heißt.

Ihr Name hängt wahrscheinlich zusammen mit den gotischen "halja", und dem althochdeutschen "helan", was "verbergen" bedeutet. Die Platzierung des Totenreiches unter die Erde kommt ursprünglich von den alten Sippengräbern, die uns aus der Stein- und Bronzezeit bekannt sind.

Hel soll eine Tochter Lokis sein und damit Schwester der Midgardschlange und des Fenriswolfes. Damit bleibt eigentlich unklar, zu welchem Göttergeschlecht sie gehört. Da Loki von den Riesen abstammt und die Mutter Hels auch eine Riesin ist, wäre Hel am ehesten zu den Riesen zu rechnen; dennoch werden die Riesen nicht als Götter gesehen, während Hel klar als Göttin bezeichnet wird.
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Beitragvon Rall Schorrdas » 18. Okt 2006 11:40

Ach so, ja. Aza und Jawar: Ihr wißt ja dann glaubich, was ich so mache.

Also: Wenn ich Posts wie die obigen nicht kommentiere, dann nicht etwa, weil ich ihnen zustimmen würde, sondern, weil gegen diese Art von Verbreitung populären Unsinns sowieso kein Kraut gewachsen ist. Alles andere liefe auf eine Vorlesung hinaus, und dazu habe ich beim besten Willen weder Zeit noch Nerven. Mit krickeligen Detailfragen aber könnt ihr mir natürlich gerne kommen.

Finsternis,

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Beitragvon Sunnar_Baal'echem » 18. Okt 2006 12:43

Heil Rall Schorrdas,

was du "populären Unsinn" nennst, ist die vergeistigte Darstellung der Vorgänge in Natur und Kosmos, welche unsere Ahnen damals beobachteten und benannten.

Die deutschsprachige Kultur ist erst durch unsere Vorfahren ermöglicht worden und ohne die Germanen hätte das Christentum keinen einzigen Feiertrag, da diese alle von unseren Ahnen übernommen wurden. Auch wurden auf die früheren heiligen Plätze der Germanen Kirchen gebaut da diese auf hochenergetischen Pulsationsspiralknoten liegen.

Die Christen vergewaltigten heiligen Boden, verstümmelten altes Wissen und schusterten sich daraus einen mehr oder weniger passenden Schuh, welcher jedoch durch das Blut unzähliger unserer Vorfahren gekennzeichnet ist.

Also ist dieser populäre Unsinn, eine jahrtausende alte Wahrheit, welche die Wiege der gesamten europäischen Kultur ist und für die unsere Urväter und Mütter bereit waren in den Freitod zu gehen.

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Beitragvon tlahuizcalpantecutli » 18. Okt 2006 12:50

Ich sehe in dem obigen Text eine objektive Darstellung von Fakten zur nordischen mythologie und kann die meisten davon anhand meines eigenen Wissens und anhand Originalquellen bestätigen.

Subjektive Deutung steckt allerdings auch darin, und selbst wenn der Text nur subjektiv wäre, hätte ich kein Problem damit, weil Mythologie nun mal etwas subjektives ist.
ich sehe dein problem nicht, Rall!

Schließlich ist dies kein Mythologieforum, wo alle mythologischen Systeme, die hier vorgestellt werden, 100%ig mit den wissenschaftlichen Fakten übereinstimmen müssen.
Wer gegen ein Minimum an Aluminium immun ist, der hat eine Aluminiumminimumimmunität
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