Hier eine kleine Geschichte meinerseits, die mir zum Thema des gestrandeten Kreuzfahrtschiffes eingefallen ist. Viel Vergnügen damit.
Überstürzter Abzug
Verärgert stieß ich die Tür auf und stampfte wutschnaubend ins Zimmer hinein. Hinter mir krachte die Tür mit einem Knall ins Schloss, als meine Ferse sie mit einem schwungvollen Tritt nach hinten beförderte und zuschlagen ließ. Ich stand allein im Zimmer und zitterte noch immer. Nicht wegen der eisigen Gischt von draußen oder dem kalten Nachtwind, der über die Decks pfiff. Nein, Die Wut war es, der Ärger, der meine Muskeln zum Zittern brachte und mich dazu drängte, irgendetwas auseinander zu nehmen.
Wie hatte dieses Weib es wagen können, mich zu versetzen? Hübsch war sie gewesen, rotes langes Haar und fast auf meiner Augenhöhe, was bei meiner Statur und Größe von fast einen 1,90 Meter etwas heißen wollte. Ein hübsches Gesicht ebenfalls und schöne lange Beine, die die Blicke der Männer auf sich zogen wie eine klebrig-süße Fliegenfalle die Insekten.
Ihr Augenaufschlag hatte mich in ihren Bann geschlagen und dann hatten wir an der Bar getanzt, die ganze Nacht. Doch zur Verabredung später am oberen Deck war sie selbst nach einer Stunde nicht aufgetaucht, weshalb ich sie schließlich abgeschrieben hatte und in meine Kabine zurückgekehrt war. Arrogantes Miststück!
Immer noch bebend vor Zorn warf ich mich vollständig bekleidet ins Bett, zog die Decke über den Kopf und schloss die Augen. Bald entglitt ich ins Land der Träume und in einen unruhigen Schlaf. Der Traum begann.
Eingehüllt in schwarzes Feuer lag ich in meinem Bett, die brennende Decke noch immer über mir. Erschrocken warf ich sie von mir und versuchte schreiend die Flammen auszuklopfen. Von einem auf den anderen Moment verschwanden sie und einen Augenblick später ertönte ein Donnerschlag, der den Boden erbeben ließ und mich von den Beinen fegte. Doch als ich mich wieder aufrichten wollte, bemerkte ich, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Ich konnte nur an der Stelle auf den Boden verharren und warten. Plötzlich war auch der Boden weg, stattdessen erstreckte sich um mich herum der weite Nachthimmel.
Ich schwebte nun über dem offenen Meer, unter mir fuhr ruhig das Schiff dahin. Verwirrt blickte ich mich um und war noch verblüffter, als ich merkte, dass ich wieder voll beweglich war.
Auf einmal tippte mir jemand auf die Schulter. Ich wandte den Kopf, um zu sehen, wer mich in dieser verrückten Situation von hinten anstieß, und blickte direkt in die grinsende Fratze eines Dämons. Seine Haut war schwarz wie Ebenholz, seine Augen so rot wie Blut und seine Klauen an Händen und Füßen so weiß wie Schnee. Bis auf diese kleineren Details wirkte er verhältnismäßig menschlich, wenn man davon absah, dass sein Mund doppelt so breit war wie meiner und voller nadelspitzer Zähne. Zwei Widderhörner sprossen aus seinen Kopf und glühten in einem seltsamen violetten Schein, was ihm eine Aura der Düsternis verlieh.
Das Wesen grinste mich an mit etwas, dass man als Hohn oder vielleicht auch als Schalk bezeichnen konnte, dann stieß es sich von mir ab und tauchte hinunter zum Schiff, wobei er mich hilflos in der Luft hängend zurückließ.
Unten angekommen musste ich mit ansehen, wie das Biest begann, de scheinbar menschenleeren Decks zu verwüsten. Es riss Bartische um, warf mit den Hockern die Fensterscheiben ein, warf Gläser durch die Gegend und riss Girlanden herunter.
Dabei bewegte es sich so tänzerisch und anmutig, als gäbe es nichts Schöneres auf der Welt und alles wäre spielerisch und einfach.
Schließlich schien es mit seinem Zerstörungswerk fertig zu sein und sprang mit Anlauf über Bord ins Wasser, wo der Dämon mit einem gekonnten Köpfler eintauchte und in den Fluten verschwand. Doch einen Moment später ging ein Ruck durch das bis dahin dahinfahrende Schiff und es geriet ins Schlingern. Ein schwarzer Riss breitete sich entlang einer Rumpfseite aus und wurde schnell größer.
Das Heulen der Sirene riss mich aus dem verstörenden Traum. Eben noch hatte ich dem beginnenden Untergang eines Schiffes zusehen müssen und nun lag ich in meinem Bett und konnte mich schon wieder nicht rühren. Doch diesmal war wohl die Decke daran schuld, in die ich mich während des Schlafes wohl eingewickelt haben musste.
Nach umständlicher Strampelei war ich schließlich frei und stolperte noch etwas verschlafen auf den Gang hinaus. Draußen herrschte ein heilloses Durcheinander und die Stimme einer Frau machte eine immer wiederkehrende Durchsage in verschiedenen Sprachen, doch der Inhalt war wohl immer der Gleiche. Irgendetwas von einem Leck und keiner Panik. Wir sollten uns wohl an Deck versammeln und in die Rettungsboote steigen.
Gesagt, getan kämpfte ich mich durch das Gewühl und gelangte unter Ellbogeneinsatz durch die Masse schreiender Nachtschwärmer, brüllender Kleinkinder und Mütter sowie ängstlich aneinander geklammerter Ehepaare an Deck und zu einem der Rettungsboote, die in ihren Halterungen bereits auf die Passagiere warteten, die vor Panik drängelten, keuchten und sich gegenseitig niedertrampelten.
Eines der Crewmitglieder geleite mich in eines der Rettungsboote und als dieses voll war, ging es auch schon hinunter in die Tiefe. Jemand drückte mir ein Paddel in die Hand und schrie mir auf Englisch zu, ich solle gefälligst anfangen zu rudern. Eine Frau war verletzt, ich Arm schien gebrochen zu sein, denn er hing scheinbar nutzlos an ihrer Seite herab. Während sich der Rest der Insassen um die Frau kümmerten und ich sowie zwei weitere Männer eben kräftig losrudern wollten, hörte ich es hinter mir platschen. Die anderen waren zu sehr mit der Frau oder mit sich selbst beschäftigt, um darauf zu achten, doch ich blickte noch einmal neugierig hinüber. Nicht weit von mir trieb leblos ein Körper auf den Wasser. Eine Flut roter Haare trieb um sie herum im Wasser und ein Paar langer Beine trieb reglos auf den Wellen.
Kurz entschlossen blickte ich mich im Boot um, bekam einen großen Rettungsstrahler zu fassen und schnappte ihn mir. Kurz wiegte ich das schwere Ding in der Hand, nickte zufrieden, zielte und warf dann, soweit ich konnte. Mit einem Dumpfen Schlag traf der Rettungsstrahler den Körper und zu den roten Haaren gesellte sich nun auch dunkel verfärbtes Wasser.
Zufrieden nickte ich dem langsam in der See versinkenden Körper nochmals zu, griff dann wieder zum Paddel und legte mich kräftig in die Riemen. So sollte es sein.



