Daimao_Koopa hat geschrieben:Kann man das irgendwo nachlesen? Dass Eros um einiges älter ist als Platon, dürfte bereits klar sein, aber dass man
ihn nach Tartaros verbannt hat...?
Eine m.E. gute Quelle im Netz sehe ich in folgender Seite:
http://www.theoi.com/ bzw zu Eros dort:
http://www.theoi.com/Protogenos/Eros.htmlEin Vorzug dieser Seite ist, dass sie verschiedene Quellen hinzuzieht, nicht nur die am meisten übliche nach Hesiod.
Eros ist eine interessante Gestalt in der mythologischen Entwicklung. Denn er wandelt sich und wechselt nach dem Sieg der Olympier auf ihre Seite.
Einige Punkte in den Ausführungen von Gast würde ich auf Basis der Hesiod-Mythologie etwas anders deuten. Das Folgende basiert auf den Infos der o.g. Website:
Eros wurde nicht in den Tartaros verbannt, sondern entstand parallel mit ihm als eine Urkraft. An dem Punkt würde ich in ihm noch kein Modell der Leidenschaft sehen. Sondern als eine der vier Urkräfte Kaos (Leere, Luft), Gaia (elementare Erde), Tartaros (Abgrund) und Eros eben, halte ich ihn
an dieser Stelle erst einmal für eine Benennung der Lebenskraft als solcher und damit der Fortpflanzungsfähigkeit.
Eros ist notwendig, damit die Story überhaupt weitergehen kann, also z.B. damit
- Gaia einen Sohn bekommen kann, nämlich Ouranos, das Himmelsgewölbe
- Gaia sich mit Ouranos vermählen und Kinder bekommen kann, 12 Titanen. Unter diesen Titanen:
- Rhea (das Fließen) und Kronos (die Zeit).
- Rhea und Kronos (Saturnus) sich miteinander vermählen und Kinder bekommen können, 6 Götter für den Olymp.
Aber, und jetzt wird's spannend:
Kronos führt auch eine neue Fortpflanzungsweise ein: er kastriert den Vater Ouranos. Zunächst mal ist damit klar: Der Himmel (Ouranos) wird als letzte Grenze im Weltbild abgelöst. Stattdessen wird die Zeit (Kronos) zur letzten Grenze. Aus den Blutstropfen, die durch die Kastration auf die Erde fallen, entstehen die Furien. Diese kämpfen später auf Seiten der olympischen Hera, wie Gast schrieb: der Ehegöttin.
Aus dem abgetrennten Gemächt
selbst aber entsteht eine komplett neue Göttin, die aus der Fremde kommt, je nach Lesart aus Zypern oder Kreta. Eine Göttin ohne Eltern, ohne normale Abstammung. Irgendwie ist das logisch, denn wer aus der Fremde kommt, kann ja nicht aus der eigenen Abstammungslinie sein. Diese Göttin ist niemand anderes als Aphrodite, die später dann auch in den Olymp erhoben wird. In Hesiods Weltbild, dem wohl auch Gustav Schwab folgt, ist die Aphrodite also strikt männlicher Abstammung. Es entsteht der Dauerstreit zwischen Hera und Aphrodite, in dem wie gesagt Hera vorzugsweise mit den Furien kämpft, Aphrodite aber gerne die Mittel des Krieges zur Durchsetzung ihrer Interessen verwendet.
Und mit ihr (also Aphrodite) entsteht die mythologische Wandlung des Eros. Denn Aphrodite hat
zwei Söhne: Himeros und Eros. Anders gesagt: der ursprüngliche Eros spaltet sich auf in zwei Kräfte, Begehren und Liebe. Möglicherweise lässt sich das tatsächlich als die Trennung in leidenschaftliche und platonische Liebe deuten.
Und noch ein persönlicher Gedanke:
...die Dämonen aber sind das vom sich durchsetzenden, "großen" Weltbild Verworfene: sie leben vielleicht in der Fremde, aus der Aphrodite stammt, sind vielleicht ihre leiblichen Eltern und Geschwister?
Rikki