AUBURN UNIVERSITY IN AUBURN/ALABAMA, MÄRZ 1978
Die 20-jährige Studentin Helen Chester saß auf einer Bank im Campus der Universität.
Ihre vertrautesten Kommilitonen waren mit ihr in ein aufgeregtes Gespräch vertieft.
Direkt neben ihr saß ihr Schwarm Tim Sullivan, 21.
Um das Paar, das sich zwar noch nicht offiziell zusammen gefunden hatte, seine Beziehung aber bei jeder Gelegenheit durch ausgiebiges Flirten in Aussicht stellte, herum standen Greg Harlan, 22, und Beth McEdmondson, 21.
Die junge Clique diskutierte über den anstehenden Spring Break im April in Fort Lauderdale/Florida, an dem sie unbedingt teilhaben wollte.
„Leute, das wird eine geile Zeit! Richtig die Sau raus lassen und feiern!“ schwärmte Helen und malte sich vor dem geistigen Auge zwei ausgelassen Partywochen aus.
„Der Van meines Dads wartet nur darauf, dass wir uns hinein setzen und ab nach Florida düsen...“ antwortete Tim ebenso enthusiastisch.
Helen erwiderte: „Geht also alles klar. Na, dann steht unserer Riesenparty nichts mehr im Weg.“
Tim stimmte zu: „Auf keinen Fall.“
Greg und Beth freuten sich genau so auf Florida.
ALABAMA STATE ROUTE, APRIL 1978
Der GMC Vandura- Van, den Tim sich von seinem Dad gepumpt hatte, sauste über die Alabama State Route Richtung Florida. Die Clique hatte genügend Saufzeug und Grass bei sich, um in Stimmung zu kommen. Die Grenze zu Florida war nicht mehr weit. Sie lachten und tauschten sich aufgeregt über Rauchen und ordentlichen Sex aus. Tim freute sich tierisch, als im Radio der Song 'Woodstock' von Matthews Southern Comfort begann.
„He Leute, der Song hier ist herrlich, oder? Au Mann, Woodstock! Das war geil. Meine Eltern haben mich doch damals mit dorthin genommen. Fast neun Jahre ist das jetzt her. So ein geiles Festival... Das Erlebnis hat meine ganze Teenie-Zeit geprägt, kann ich euch sagen!“
Die Meinungen waren geteilt. Nur Helen stimmte ihm zu, dass der Song so richtig schön zum Träumen sei. Greg und Beth hingegen konnten dem nicht viel abgewinnen, da sie mehr auf den Sound der Ramones abfuhren. Unbeirrt stellte Tim das Radio lauter und der Matthews Southern Comfort- Kultsong dröhnte durch die Landschaft, die der Van durch fuhr. Kurz nachdem der Song vorbei war, hing das Quartett noch seinen Träumen nach, dann sah Tim plötzlich etwas Merkwürdiges quer über der Straße liegen. Er versuchte erschrocken eine Vollbremsung, doch es war zu spät! Der GMC raste auf ein Geflecht aus Stahlspitzen zu, das die Straße blockierte. Tim und die neben ihm sitzende Helen stießen einen Schrei aus, die hinten im Wagen sitzenden Greg und Beth blickten erschrocken nach vorn, dann passierte es auch schon. Es gab einen lauten Knall!
Der GMC raste über die Spitzen, und alle vier Reifen wurden aufgeschlitzt. Laut krachend landete der jetzt unkontrollierbare Van im Straßengraben, fiel auf die rechte Seite. Es vergingen einige Minuten, dann kroch die Clique aus dem Van. Die jungen Leute waren verzweifelt.
Irgend jemand hatte die Straße mit einer bösen Falle versehen, in die der Van gebraust war. Was sollten sie tun?
Greg munterte seine Freunde auf, im nahen Wald neben der Straße Hilfe zu suchen. Vielleicht wohnte dort jemand. Auf dem Highway würden sie seiner Meinung nach lange auf Hilfe warten müssen.
Die anderen sahen es schließlich ein. Sie waren erleichtert darüber, wenigstens unverletzt zu sein, nur ihre Knochen taten weh.
Es dämmerte bereits. Die Sonne ging langsam unter, als das Quartett durch den Wald irrte.
„Wartet mal Leute...“ keuchte Tim.
Als die anderen sich nach ihm umdrehten, sagte er: „Ich muss dringend pissen gehen.“
„Mach schnell!“ rief Greg ihm nach, während er sich schon abwandte und ein paar Meter zurück ging hinter einen Baum.
Ein wenig genervt wartete der Rest der Clique, während Tim sich bereit stellte und den Reißverschluss seiner Jeans öffnete. Plötzlich näherte sich ihm von hinten jemand. Als Tim das leichte Knacken hinter sich hörte, war es schon zu spät. Ein harter Gegenstand traf ihn im Nacken und er sackte zu Boden.
„Tim?“ fragte Helen, und auch die anderen zuckten zusammen, denn sie hatten sein Stöhnen hinter sich in der Dunkelheit vernommen.
„Bist du jetzt fertig? Oder ist was nicht in Ordnung?“ rief Greg in Richtung des Baumes, hinter dem der Freund verschwunden war.
Als nichts weiter kam, gingen die drei auf den Baum zu. Sie guckten sich irritiert an, als sie nichts sahen. Sie redeten wirr durcheinander und tauschten Fragen aus, wo Tim vielleicht ab geblieben sein konnte. Sie riefen ihn noch ein paar Male, aber als keine Antwort mehr kam, schlug Greg vor, weiter zu gehen. Die Mädels protestierten erst, aber sahen auch bald ein, dass ihnen nichts anderes übrig blieb. Sie mussten Hilfe suchen und bei der Gelegenheit leider ihren Buddy als vermisst melden.
Als sie weiter durch den Wald gingen, kamen sie an einem einsamen See vorbei.
„Oh, wie herrlich wäre es, jetzt ins kühle Nass zu springen,“ schwärmte Beth.
Ihre Freunde stimmten ihr zwar zu, waren sich aber einig, dass es wichtiger wäre, den Wald weiter nach dem verschwundenen Tim abzusuchen.
So gingen sie weiter durch den Wald, bis sie nach einer guten Viertelstunde eine Blockhütte auf einer Lichtung sahen. Gespannt näherten sie sich dem Gebäude, das leider einen verlassenen Eindruck machte.
Greg, Helen und Beth öffneten die knarrende Tür. Es roch muffig in der Hütte.
„Macht einen verlassenen Eindruck. Hier bestimmt seit Jahren niemand mehr...“ murmelte Greg.
„Aber wenigstens können wir hier die Nacht verbringen...“ erwiderte Helen.
Auch Beth stand der Sinn nach Verschnaufen nach dem Unfall und der Wanderung durch den dunklen Wald. Die Drei tasteten sich durch die anscheinend leer stehende Hütte, durch deren Fenster fahles Mondlicht fiel. Greg voran.
„Halt! Wer seid ihr?“ durchschnitt plötzlich eine scharfe Stimme die stickige Luft, und urplötzlich baute sich ein Mann mit einer Flinte vor den Erschrockenen auf.
Der Mann, der Vordermann Greg das Gewehr unter die Nase hielt, war ein Redneck wie aus dem Bilderbuch: Zwischen 60 und 70 Jahre alt. Zerzaustes graues Haar. Dunkelgrauer Weihnachtsmann-Vollbart, der hinunter bis über den Brustkorb wuchs.
Bekleidet war er mit einem rot karierten Flanellhemd, das unter einer vor Dreck starrenden und reichlich schäbigen hellblauen Latzhose steckte.
Uralte Gummistiefel.
Gereizt fragte er: „Was zum Teufel wollt ihr Kids hier?“
Greg antwortete vorsichtig: „Hören Sie, Mister, wir... Wir wollten nicht stören...“
„Wir hatten hier in der Nähe, an der Straße einen Unfall. Und zu allem Überfluss noch unseren Freund verloren. Wir wollten niemanden stören, wir wissen nur nicht, wohin!“ warf Helen ein.
Greg sprach weiter: „Wir wussten ja nicht, dass die Hütte hier bewohnt ist...“
Der Alte musterte das Trio zwar noch mit einem strengen Blick, ließ seine Waffe aber schließlich sinken. Er fragte die drei Freunde nach ihren Namen und stellte sich selbst schlicht als Joe vor.
Joe ließ sich in aller Ruhe erzählen, was den Studenten passiert war. Er erzählte ihnen noch, dass er Jäger sei und diese alte Blockhütte manchmal zum Übernachten nutzte. Wie zufälligerweise gerade heute Nacht. Dann bot er der Clique an, die Nacht hier zu verbringen. Dankbar sagten die Besucher zu und Joe bat ihnen ein kleines Zimmer an, in dem sie allesamt ihre Nachtruhe finden sollten. Es war nur ein unmöbliertes Zimmer mit Matratzen am Boden, aber das interessierte die todmüden Freunde nicht mehr sonderlich, denn ihnen fielen die Augen zu.
Wohin ihr Gastgeber nun ging, davon nahmen sie keine Notiz mehr...
Als Tim erwachte, dröhnte sein Schädel, als würde er jeden Moment zerplatzen. Ihm war schwindelig, außerdem hatte er einen enormen Blutdruck im Kopf. Er sah alles noch recht verschwommen, aber mit den Sekunden wurde sein Blick wieder klarer. Und dann merkte er auch, warum im sein Blut in den Kopf geschossen war:
Er hing kopfüber von einer Zimmerdecke! Wie ein Stück Schlachtvieh!
Etwa einen Meter baumelte sein Kopf über dem Boden, seine herunter hängenden Arme berührten ebenfalls kaum den Boden. Seine Fingerkuppen stießen nur hin und wieder gegen eine Wanne, die genau unter ihm stand. Fassungslos blickte er von unten an sich herauf. Seine beiden Füße waren an Eisenketten befestigt, die an einer Betondecke hingen. Und er war splitternackt.
Was wurde hier nur gespielt?
Ächzend und stöhnend ließ er seinen Blick im Raum umherschweifen und ihm wurde immer beklommener zumute. Er befand sich in einem Kellergewölbe. Die Luft war schwer und muffig. Knappes Sonnenlicht, das durch ein Kellerfenster hinein schien, beleuchtete die karge Kammer nur unzureichend.
Tim hörte Schritte, und bevor er etwas sagen konnte, wurden seine Augen von gleißendem Licht geblendet.
Irgend jemand musste eine Lampe eingeschaltet haben.
Tim zwinkerte mit den Augen, und nach wenigen Augenblicken sah er, dass es nur eine einfache Glühbirne war, die von der Decke baumelte. Ganz dicht neben ihm, so dass das Licht ihn gnadenlos blendete.
Eine Gestalt hatte den Raum betreten. Und was für eine Gestalt. Ein Monster! Tim lief es eiskalt über den nackten Rücken.
Ein hoch gewachsener Mann kam unendlich langsam näher. Dieses Etwas war bestimmt zwei Meter groß und von breiter, klobiger Statur.
Das Gesicht dieser Kreatur... Menschen?... Mannes?... war von großen Narben bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Auf den ersten Blick erkannte Tim, dass der Unheimliche auf dem Kopf einen stählernen Helm trug. Und sonst militärische Tarnbekleidung für den Wald.
Als der Hüne sich direkt vor ihm aufbaute und Tim in seiner unbequemen Lage nur mühsam zu ihm heraus blinzeln konnte, sah er, dass dieser Helm mit einem künstlichen Unterkiefer verbunden war.
Ein Kiefer aus massivem Stahl!
Mit garantiert fünf Zentimetern langen spitzen Stahlzähnen. Als der entstellte Typ seine Oberlippe zurück zog, blitzten darunter ebenfalls künstliche Stahlzähne hervor, die wie Zahnräder in die untere Zahnreihe griffen.
Das Monster öffnete und schloss sein abartiges Maul im Sekundentakt und gab ein leises Röcheln von sich. Zwischendurch gab es Laute von sich, die wie höhnisches Lachen klangen.
So verharrte dieser entstellte Riese mindestens eine Minute und schaute von oben herab Tim genau in die Augen. Eine quälend lange Minute, wie eine Ewigkeit...
Schließlich fragte Tim keuchend, mit staubtrockener Kehle und Druck im Kopf, der ihm immer wieder schwindelig zumute werden ließ: „Zum Teufel, wer... wer bist du? Wo bin ich hier? Was hast du... mit... mir vor? Verdammte Scheiße...“
Als Antwort erntete er nur ein unverständliches Krächzen aus dem bizarren Maul des Unheimlichen, dessen beide Zahnreihen leise aufeinander kratzten. Tims Angst wurde immer mehr von Wut verdrängt.
„Was ist eigentlich dein Problem, du hässliche Missgeburt? Hör auf mit dem Bullshit und hol mich von der Decke runter! Verfluchter Bastard!“
Er begann, um sich zu schlagen und rammte seine Fäuste in den Bauch der Gestalt. Das nützte überhaupt nichts, denn das Ungetüm war zwar fettleibig, aber auch von knallharten Bauchmuskeln beschaffen, an denen die trommelnden Fäuste wie nichts abprallten.
Nur böses Lachen drang als Reaktion aus dem stählernen Maul. Auf einmal packte die linke Hand des Entstellten nach Tims rechter Faust und zog diese zu sich hoch.
In Richtung seines Stahlkiefers!
Noch ehe Tim überhaupt begriff, was geschah, steckte die Kreatur sich seinen Zeige-und Mittelfinger in den Rachen und biss die Stahlzähne zusammen.
Unter lautem Knacken wurden Tims Finger zwischen den Kiefern zermahlen und trennten sich vom Rest der Hand. Tim zog seine Hand zurück und schrie gellend auf, als er die beiden Stummel betrachtete, aus denen Blut schoss.
Sein Peiniger zerkaute die beiden Finger genüsslich und schluckte sie mitsamt Nägeln herunter. Das Blut lies er dabei über sein unheimliches Gebiss rinnen.
Und jetzt bemerkte Tim auch den rechten Arm des Unholdes, den dieser bisher auf dem Rücken verschränkt vor ihm verborgen hatte. Oder vielmehr das, was an der Stelle war, wo eigentlich ein rechter Arm hätte sein sollen:
Das abscheuliche Monster besaß überhaupt keinen rechten Arm!
Stattdessen befand sich an der Schulter eine längliche Stahlröhre, die über einen künstlichen Ellenbogen mit knappem Stahl-Unterarm verfügte, und am Ende dieses stummeligen Unterarmes befand sich – Tim traute seinen vor Entsetzen geweiteten Augen nicht – doch tatsächlich eine Hand-Kreissäge. Die Zähne des Sägeblattes starrten vor Blutflecken. Ein Anzeichen dafür, dass dieses Werkzeug immer wieder für recht blutige Taten benutzt wurde.
Trotz des Verlusts zwei seiner Finger und seiner lebensbedrohlichen Lage lachte Tim kurz auf über diese bizarre Erscheinung. Ein Wesen mit künstlichem Kiefer und einem mechanischem Roboterarm mit Kreissäge als Ersatz für einen rechten Arm stand vor ihm. War dieses Ungeheuer vom Set eines üblen Horrorstreifens entlaufen?
So etwas konnte es doch nicht geben!
Und doch war es Realität!
Der monströse Mann stieß unappetitlich schmatzende Laute aus und gab nun ein heiseres Gebrüll von sich, während er seine Säge immer kurz ein-und ausschaltete und sie ganz dicht vor Tims Bauch kreisen ließ, um seinem Opfer Angst vor einer bevorstehenden Tortur ein zu jagen.
Tim schrie verzweifelt: „Nein! Nein!!“
Und schon setzte der Schlächter seine Kreissäge am Unterleib des kopfüber vor ihm hängenden Opfers an, und das kreischende Tötungsinstrument drang in Tims Fleisch ein und bahnte sich seinen Weg von oben nach unten bis über den zuckenden Brustkorb.
Tim wurde bei lebendigem Leibe aufgeschlitzt!
Der Schmerz raubte ihm die Sinne, er schrie verzweifelt und zappelte, sein Blut spritzte in Strömen heraus und die Wanne unter ihm füllte sich mit dem auslaufenden Blut.
Wie bei einem Schwein im Schlachthof, das aber wenigstens seine Verarbeitung nicht mehr lebend miterleben musste. Ganz im Gegensatz zu Tim, der sein Blut wie einen roten Wasserfall vor seinem Gesicht nach unten fließen sehen musste.
Für ihn war es zu spät!
Langsam verlor er erst sein Bewusstsein und wenige Sekunden darauf sein Leben. Das Monster freute sich darüber, wie es mit dem Ausgelieferten spielen konnte und weidete sich an den Blutspritzern, die es besudelten.
Als er die Kreissäge ausschaltete, griff der Riese mit seiner linken Hand in den breiten Schlitz im Körper des toten Tim und wühlte lustvoll in den warmen Gedärmen, riss sie heraus, verteilte sie am Boden.
Die drei Studenten lagen auf ihren muffigen Matratzen im Blockhaus. Ihr Schlaf war unruhig. Kein Wunder nach dem Unfall vor wenigen Stunden, und auch Tims Verschwinden bereitete ihnen Sorgen.
Lediglich Helen gelang es schließlich, in einen tieferen Schlummer zu fallen, doch ihre beiden Freunde Greg und Beth, die Arm in Arm auf der Matratze am anderen Ende des Raumes lagen, schauten sich nur abwechselnd in die Augen und zum Fenster hinaus.
Greg flüsterte: „Au Mann, ist das eine schwüle Nacht. Ich fühle mich schon wieder wie ausgetrocknet.“
Beth stimmte zu: „Ja, ich könnte auch noch 'ne Erfrischung gebrauchen. Ich schwitze wie verrückt...“
„Wir sind doch auf dem Weg zu dieser Hütte hier an einem kleinen See vorbei gekommen...“
„Was meinst du jetzt?“
„Du hast ihn doch auch gesehen?“
„Natürlich. Worauf willst du hinaus?“
„Du braucht Abkühlung, ich brauch' Abkühlung. Das bietet sich doch förmlich an.“
„Du meinst... Baden? Jetzt um diese Zeit?“
„Warum nicht? Nur 'ne halbe Stunde vielleicht. Schlafen können wir doch beide eh nicht. Oder?“
Da war was dran. Beth ließ sich schließlich überreden. Sie wollten schnell zum See und sich erfrischen und auch schnellstmöglich wieder hier bei Helen sein. Wecken wollten sie sie nicht. So schlichen sie durch das Fenster hinaus in die warme Nacht...
Helen schreckte aus ihrem Schlummer hoch. Sie blickte sich im Raum um. Fahles Mondlicht fiel durch das offene Fenster herein.
Es war stickig und warm. Helen war durch geschwitzt.
Verwundert registrierte sie, dass sie allein war.
Wo waren Greg und Beth?
Helen suchte die Blockhütte ab. Auch der kauzige Gastgeber war weg! Helen schimpfte über ihre Freunde, dass sie sie zurück gelassen hatten. Oder war ihnen vielleicht etwas passiert? Wenn der Jäger mit Greg und Beth etwas angestellt hatte, wieso hatte er sie dann verschont und weiter schlafen lassen?
Mit einem gemischten Gefühl aus Ärger und Angst verließ auch Helen die Hütte.
Greg und Beth hatten nur eine Viertelstunde Fußweg zurück gelegt. Nun standen sie an dem See, auf dem sich der Vollmond reflektierte und die Umgebung in ein Licht eintauchte, das dem See einen düsterromantischen Touch einhauchte.
Greg ließ in Windeseile erst sein T-Shirt und dann seine Hosen fallen. Splitternackt stand er vor Beth, die seinen Körper von oben bis unten betrachtete, sich aber noch zierte.
Vergnügt hüpfte der junge Kerl am Ufer entlang und nahm Anlauf in den See. Er tauchte kurz unter, und als er wieder auftauchte, ragte das Wasser ihm bis zum Brustkorb.
„Los, du ängstliches Mäuschen, komm schon rein! Das Wasser ist herrlich frisch!“ rief er seiner Freundin zu.
Jetzt huschte ein freudiges Lächeln über Beth's Gesicht.
„Okay, du böser kleiner Schlingel. Wenn du es unbedingt willst...“ murmelte sie und auch ihre Sachen landeten im Sand.
Nackt stand sie am Ufer und ging zuerst mit den Füßen ins Wasser.
Greg rannte plötzlich auf sie zu, und packte sie. Sie schrie erschrocken auf.
Greg trug sie auf seinen Armen wie ein Bräutigam seine Braut über die Schwelle.
„Lass mich runter!“ kreischte Beth und zappelte.
Greg lachte nur schelmisch und mit ihr auf den Armen rannte er ins kalte Nass.
Zuerst schimpfte sie mit ihm, aber er lachte nur und spritzte ihr Wasser ins Gesicht. Und nach wenigen Augenblicken lachten sie beide erfreut über die Erfrischung.
Sie ahnten beide ja nicht, dass wenige Meter vom Ufer entfernt jemand hinter Büschen verborgen war und sie genau beobachtete. Der Betrachter atmete schwer und ließ die Beiden nicht aus den Augen.
Nach wenigen Minuten watete Beth zum Ufer zurück.
Greg, der noch weiter hinaus gekrault war und keinen Boden mehr unter Füßen hatte, rief ihr leicht irritiert nach: „He Sweetheart, wo willst du denn jetzt schon hin?“
„Ich will wieder raus aus dem See...“
„Ach Mensch, jetzt schon?“
„Ja, laß uns zur Hütte zurück gehen.“
„Warum hast du's so eilig?“
„Wenn Helen aufwacht und wir sind nicht bei ihr, macht sie sich doch bestimmt Sorgen.“
„Meinst du?“
„Überleg' doch mal. Erst ist Tim spurlos verschwunden, und nun auch noch wir. Und sie ganz alleine...“
Greg dachte einen Moment nach und antwortete: „Na gut, hast Recht. Ich komm' auch raus!“
Er schwamm auf das Ufer zu, als Beth schon längst aus dem Wasser gestiegen war und ihre Klamotten zusammen suchte.
Der heimliche Beobachter hinter den Büschen weidete sich am Anblick von Beth's nacktem Körper. Aber er hielt sich gut versteckt. Plötzlich zertrat er jedoch einen Zweig zu seinen Füßen. Greg horchte auf.
Beth fragte: „Was hast du?“
„Ich hab' da hinten was gehört. Dort im Busch.“
Greg deutete auf ein Gebüsch rund fünf Meter entfernt an der Grenze vom Seeufer zum Wald.
„He, wo willst du hin? Da ist doch nichts,“ sagte Beth, als Greg auf den Busch zuging.
Er antwortete: „Davon überzeug' ich mich selbst. Keine Lust auf irgendeinen Spanner oder so was...“
Beth hatte nun aber genug und wollte sich wieder anziehen. Als Greg den Busch erreicht hatte, sah er nichts Verdächtiges.
Er schaute angestrengt in das dunkle Gewirr aus Zweigen und Blättern, dann wandte er sich ab und rief Beth zu: „Hier ist wirklich nichts. War wohl Einbildung.“
Beth hatte inzwischen ihren Slip wieder hochgezogen und antwortete: „Das will ich meinen. Los komm' jetzt. Wir hauen auch endlich ab.“
„Meinst du wirklich? Du hast es wirklich eilig. Helen wird schon nicht so schnell aufwachen, wär' ja ein Riesenzufall, wenn sie uns vermissen...“
Greg kam nicht mehr dazu, weiter zu sprechen, denn von hinten schlich sich jemand heran. Das plötzliche Kreischen eines Werkzeugs ließ den erschrockenen Jungen auf dem Absatz herum fahren!
Vor ihm blitzte tatsächlich eine Handkreissäge auf! Vom Sägeblatt fehlte jegliche Schutzvorrichtung, blank präsentierte sie sich seinen entsetzten Augen. Das rotierende Blatt grub sich sofort in sein Gesicht!
Beth schrie vor Panik auf, als sie sah, wie in wenigen Metern Entfernung im Halbdunkel eine monströse Gestalt mit einer irrsinnig lauten Kreissäge weiter auf den tot zusammensackenden Greg los ging. Blut spritzte nach allen Seiten, denn Beth's Freund wurde mehr und mehr verstümmelt! Der Angreifer war in einem totalen Blutrausch und trieb sein Mordinstrument immer wieder in den blutenden Körper.
Beth hielt es nicht mehr aus. Schreibend lief sie los. In den Wald hinein. Nur fort von hier!
Das einzige, was sie auf dem Leib trug, war ihr Slip. Ihre großen Brüste schwangen hin und her und sie scheuerte sich die Füße wund, als sie so schnell rannte wie noch nie zuvor in ihrem jungen Leben. Das Geräusch der Kreissäge hinter ihr kam näher. Der Killer hatte die Verfolgung aufgenommen!
Als sie sich kurz umblickte, gefror ihr das Blut in den Adern!
Eine riesenhafte Gestalt setzte ihr mit großen Schritten nach. Der Hüne schlug nach allen Seiten mit der Kreissäge aus, um Äste, die ihm in den Weg kamen, von den Bäumen zu entfernen. Und was war das überhaupt für eine Gestalt?
Beth sah nur bruchstückhaft, dass ihr Verfolger ein abstoßendes Gesicht mit einem recht unmenschlichen Gebiss besaß. Was genau daran so unmenschlich war, konnte sie nicht sehen, denn sie wäre nun beim Laufen beinahe gestolpert und richtete den Blick wieder nach vorne. Sie hielt sich beim Sprinten die Ohren zu, denn sie ertrug das kreischende Geräusch der Säge einfach nicht mehr.
Sie schrie aus Leibeskräften! Ihr Herz raste, und sie fühlte sich, als würde ihr Brustkorb jeden Moment zerreißen!
Zweige klatschten ihr ins Gesicht, ihre Haut wurde an verschiedensten Stellen blutig gerissen. In ihren Waden schienen rostige Nägel zu stecken.
Weiter! Nur weiter! Das Adrenalin, der Instinkt, sich zu retten, trieb sie mehr schlecht als recht voran.
Mit dem linken Fuß war sie in irgend etwas Spitzes getreten. Die Fußsohle brannte wie Feuer!
Unbarmherzig kam das Geräusch der Kreissäge von hinten näher. Sie konnte keine richtige Distanz mehr aufbauen. Im Gegenteil! Der Abstand zwischen ihr und dem Mörder wurde immer geringer...
Da passierte es plötzlich!
Beth stolperte über eine aus dem Boden ragende Baumwurzel. Der Länge nach fiel sie zu Boden.
In ihren Aufschrei mischten sich Schmerzen und Angst. War sie nun verloren?
Helen war hochgradig verärgert darüber, dass ihre Freunde sie allein in der Hütte zurück gelassen hatten. Leise vor sich hin fluchend durchstreifte sie den Wald. Sie zuckte erschrocken zusammen, als sie aus weiter Ferne ein Maschinengeräusch vernahm. Neugierig lief sie das Geräusch zu. Als sie näher kam, kam es ihr so vor, als hörte sie eine Kreissäge.
Waren hier etwa Holzfäller am Werke? Um diese Zeit?
Sie war bestimmt noch 50 Meter von der Geräuschquelle entfernt.
Sie rannte drauf zu und rief dabei: „Hallo? Ist da wer? Hört mich jemand?“
Als er die rufende Stimme einer Frau vernahm, hielt der Killer inne und schaltete die Säge aus.
Beth zu seinen Füßen war noch nicht tot!
Sie dämmerte halb bewusstlos vor sich hin und schluchzte leise. Ihr Körper war von unzähligen Wunden übersät. Der Unheimliche, dessen unansehnliches Gesicht halbwegs im Dunkel verborgen blieb, ließ sein Opfer erst mal links liegen und verschwand. Er legte sich auf die Lauer.



