Namibia und dessen Geister- und Totenwelt

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Namibia und dessen Geister- und Totenwelt

Beitragvon Miemo » 3. Dez 2007 12:33

Wie's dem einen oder anderen vielleicht nicht entgangen ist, interessier ich mich für andere Länder, andre Sitten und Gebräuche. Während vor einiger Zeit nen megaspannender Dokumentarfilm über den Baumeister Wind, d.h. Dünenlandschaften im TV kam, über die Konstitution von Dromedaren und warum die Menschen dort in schwere Tücher gehüllt im heißen Saharawind unterwegs sind, fand ichs richtig putzig, wie sich so manches afrikanische Tier, Schlangen, Skorpione usw. im Sand verbuddeln, ihren Kopf nich etwa in den Sand stecken, na gut, bissel schon, aber schlussendlich nur noch die Rundherumblickfähigen Augen rausfunkeln. *GGG*

Da ich mir dieses und wahrscheinlich auch nächstes Jahr entgegen der landläufigen Annahme keine Weltreise in ferne Länder leisten kann, guck ich mir eben solche Sendungen an und fahr mitm Finger über die Landkarte in Urlaub. HiHi. Nachdem gestern bei Phoenix ne intressante Dokumentation über die Ausgrabungen der Nofretete am 6.12. vor 75 Jahren kam, von den Göttergeschichten usw. berichtet wurde, begann zu vorgerückter Stunde ne Dokumentation, auf die ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte, und zwar:

Die Sprache der Steine

Namibia, vom dem Land, von dem es heißt, dass Gott es im Zorn erschaffen hat, hat jede Menge intressanter Felsmalerein vorzuweisen, so dass Wissenschaftler aus England, Köln und Einheimische während der Dokumentation versucht haben, die Bilderrätsel zu entziffern, zu lösen, Geschichten und Mythen dazu erzählt haben. Jedenfalls ist mir bei der Sendung das eine und andre Licht aufgegangen. Ich hatte früher oftmals Alpträume davon, nen menschlichen Oberkörper zu haben, aber unterhalb der Taille Tier zu sein. Sicherlich hätt ich mir die Horrorträume anhand europäischer Symbolika diverser Mythen usw. schöndenken und reden können, wie z.b. Sphinx, Meerjungfrau, Kentaur, Hindin, Lamia usw. so mythologische Gestalten sind, die ebenfalls Menschentiere sind.

Aber bei den Afrikanern auf den Felsmalerein ists genau umgekehrt gewesen. Und zwar haben die Felsenkünstler tierische Oberkörper und menschliche Unterkörper also sind in gewisser Weise als Tiermenschen dargestellt worden. Nen Bekannter von mir, nen Südafrikaner dessen Name übersetzt "Weißer Löwe" bedeutet, hats mir neben diversen Erzählungen von Voodoo und den Riten so erklärt, dass die Malerein bedeuten, dass afrikanisches Denken im Grunde genommen ursprünglich, archaisch, teilweise tierisch ist, während im Umkehrschluss der Europäer intellektuell, gebildet, sittuiert, kultiviert ist, aber ansonsten tierisch in seinen Bedürfnissen, Instinkten.

Ich könnts mir im Folgenden dann so erklären, dass die Menschen in Afrika, die teilweise von nem Monatlohn von max. 5 Euro leben müssen, für die 5 Euro sich nen Europäer im Höchstfall nen Lotterielos kauft um den 30Mio Jackpot zu knacken, sich noch an ihrem puren Dasein, an der Natur, an ihren Traditionen erfreuen können, als im Vergleich der geldverseuchte Europäer, der meint, dass Glück und Reichtum von einander abhängig wären. Gut, in gewissen Sinne ists so, dass selbst heute die Afrikaner davon träumen, sich danach sehnen nach Europa zu kommen, hier leben, Wohlstand aufbauen zu können, um ihren Familien zu helfen, aber im Grunde genommen sind die Europäer dran schuld. Wenn sie nicht wüssten, was ihnen fehlt, was sie an technischen Fortschritt versäumen (so zum Beispiel das Telefon die Buschtrommel abgelöst und Kommunikation vereinfacht und an Geschwindigkeit erhöht hat), dann wüssten sie gar nich, was ihnen fehlt und könnten weiterhin glücklich und zufrieden, wenn auch nich ganz so fortschrittlich sein.

Obwohl ich den Begriff "Buschfunk" von daheim her noch als Vergleich für Hörensagen, Stille Post, Hinterm Rücken über jemanden schlecht reden bis die Zähne rausfaulen kenn, was meistens nich der 1:1 Direkten Kommunikation von Betreffenden und Betroffnen entspricht, meistens noch was hinzugedichtet oder weggelassen wird. Aber im Grunde genommen ists doch so, dass mit der Fortschritt, den andre Länder gemacht haben, den Afrikanern Leid bringt, die Gram und der Ärger, dass es denen nich so gut geht, wie andren, die Sehnsucht und die Träume schürt, all das auch haben und leben zu wollen. Andrerseits, kann man vielleicht auch nich so sagen, dass Europäer dran schuld sind, zumal gerade so manche technische Erfindung beweist, dass Unmögliches möglich gemacht wurde, d.h. was vor Jahren noch undenkbar gewesen ist, von andren Menschen realisiert wurde.

Aber um auf die Erklärungen von Weißer Löwe, die Tiermenschen und Menschentiere zurückzukommen, hat jemand noch ne andre Idee, warum die Darstellung manchmal so verkehrtherum ist? Ich mein, im Schamanischen hat mans teilweise ja auch, dass die Leute sich jede Menge Masken basteln, Gestrüpp in die Haare binden und sich mittels psycho Substanzen in andre als dem sonnigen, klaren Tagbewusstsein entsprechende Bewusstseinszustände, die sie Geister und Totenwelt nennen, befördern und dort umherreisen, aber warum ist das bei Darstellungen wie z.b. der Meerjungfrau, der Sphinx, der Lamia und dem Kentaur genau umgekehrt? Was hat das zu bedeuten?

Liebe Grüsse
Miemo
Miemo
 

Beitragvon Rall Schorrdas » 3. Dez 2007 14:20

Ich denke, der künstlerische Ansatz ist bei diesen Bildern einfach ein anderer: Die Tierwesen mit Menschenkopf haben letztlich die Bedeutung, daß ein Mensch, der sich über seinen Geist definiert, letztlich trotzdem noch tierische Verhaltensweisen besitzt, wobei ihm das eine oder andere Tier jeweils näher steht.
Bei den afrikanischen Darstellungen vermute ich mal, daß sie gegenständlich gemeint sind; will heißen, daß sie jemanden zeigen, der ein Tierkostüm trägt. Die Beine bleiben dabei schließlich aus rein praktischen Gründen ausgespart. Ist bei manch alpenländischem Mummenschanz-Brauch ja nicht anders.

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Beitragvon tlahuizcalpantecutli » 3. Dez 2007 16:14

Interessant!

Mir fällt gerade tatsächlich keine europäische mythische Kreatur ein, die oben rum falsch ist, nicht untenrum, außer vielleicht Werwölfe und Vampire, die ja von der Haltung und Größe her noch menschlich bleiben... Ach ja, Cernunnos hat ein Hirschgeweih.

Zentauren, hydren, chinesische Phjönixe mit ihren menschlichen Gesichtern bleiben eben von der Identität und vom Bewusstsein her Menschen mit Tierkräften und -möglichkeiten, zu handeln. Anubis, Seth, Bastet und die ganzen anderen Wesen oben ohne Gesicht stehen eben für die maskierte Identität, für das bewusstsein, welches von archetypischen, dämonischen Kräften "verzerrt" wird - eine schamanische, antipsychiatrische Vorstellung (zu antipsychiatrie hat default einiges geschrieben), dass Bewusstseinsverzerrungen eben nichts schlijmmes sein müssen.
Und dass archetypen und Dämonen in uns mit Tieren assoziiert werden, liegt eben an der Naturverbundenheit der jeweiligen Kultur, inwiefern diese vom Kontakt mit Tieren geprägt wird...
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Beitragvon Miemo » 3. Dez 2007 17:17

Bei den afrikanischen Darstellungen vermute ich mal, daß sie gegenständlich gemeint sind; will heißen, daß sie jemanden zeigen, der ein Tierkostüm trägt. Die Beine bleiben dabei schließlich aus rein praktischen Gründen ausgespart. Ist bei manch alpenländischem Mummenschanz-Brauch ja nicht anders.

Rall, das war niemand mit nem Tierkostüm, sondern ein Felsenbild wo obenherum das Tier war und ab Hüfte abwärts Menschenbeine dran. Von Giraffen z.b. heisst es dort, dass die übernatürliche Kräfte besitzen. Ich versteh bloß nich warum. Ich mein, vom Körperbau hergesehen, ist die Giraffe größer als alle Tiere, hat praktisch den Überblick und wird oft mit Schlangen, die ähnlich gemustert sind und sich um deren Beine schlängeln dargestellt. Zumal von Schlangen auch behauptet wird, dass sie wie die Giraffen Herren über das Wasser und den Regen sind, d.h. Regenzauber binden und solchen Sachen, Kontakter zur Jenseitigen Welt, denn Regen bringt Segen. *GGG*

Nur aufgrund von physische "Über"größe die Natur zu "über" blicken, muss ja nich gleich was mit "Über" Natürlichkeit zu tun haben, oder?

tla, find ich auch spannend. Ich hab z.b. nen Buch von Pierre Vitebsky Schamanismus, Reisen der Seele, Heilung und Ekstase

Bild

in dem solche Jenseitsreisen, Schamanismus wie er in allen Kontinenten und Ländern gelebt und praktiziert wird, beschrieben und dargestellt ist. Von sibirischen Schamanen z.b., obwohl auch von den andren, wird oftmals behauptet, dass die schizophren sind, steht da drinne, weils der normale Menschenverstand eben als Irre oder Geisteskrankheit abtut, wenn Leute sich Drogen reinpfeifen, am Kaktus nagen und dann das Gesicht verzerren, seltsam anmutendes, wirres Zeug erzählen oder spasten wie jemand mit Trisomie21. Allerdings denken viele (europäische) Wissenschaftler auch, dass die wilden Tänze im Voodoo z.b. nur Ausdruck dafür sind, dass die Menschen angestauten Frust über ihre Armut und Lebensweise so "abreagieren" mit den wilden Tänzen und ja ehem spastisch epileptischen Bewegungen.

Aber bei den Schamanen z.b. sieht mans auch noch mehr, dass sich die Menschen auch teilweise mit tierischen (nich unbedingt venezianischen *GG*) Masken, Zähnen von gejagten und erlegten Tieren, Krähenfüßen, Federn und Knochenschmuck verschönern oder denken, dass sie die Kraft der Tiere intus und übertragen bekommen, die sie erlegt und gegessen haben.

Liebe Grüsse
Miemo
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Beitragvon evoi » 3. Dez 2007 18:22

Interessant,

ich bin da nicht so bewandert, aber hab mal von einem Afrikaner (allerdings einem Sudanesen) vernommen, dass es in Afrika keine "Kunst" in dem Sinne gibt (gab), alle Zeichnungen seien meinst "religiös" motiviert.

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Beitragvon tlahuizcalpantecutli » 3. Dez 2007 21:58

Ja... in Tibet zum Beispiel werden oder wurden Menschen mit Downsyndrom zum Beispiel als Lamas, also Buddha-Inkarnationen, verehrt. Bestimmt auch nicht unbedingt das wahre - aber allemal besser, als weggesperrt und für krank gehalten zu werden, wie es heute noch der Fall ist, oder?

Un Schizophrenie ist genausosehr Bereicherung wie Behinderung - warum also nennt man es Krankheit?
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Beitragvon Miemo » 4. Dez 2007 16:34

evoi, wie religiös motiviert?

tla, ich denk, dass für körperlich und geistig behinderte Menschen in Deutschland und Europa schon ganz gut gesorgt ist. Was meinst Du denn mit Wegsperren? Die geschlossne Anstalt, wo sie keine Ansprache haben oder zählen für dich da auch Einrichtungen wie Behindertenwerkstätten mit hinzu? Im Grunde genommen, wären sie damit auch ausgegrenzt oder für sich eingegrenzt, nich inmitten der andren.

Wieso werden die Downis in Tibet als Lamas verehrt? Ich mein, dass die Menschen herzlich, offen und spontan im Umgang mit anderen sind, hab ich auch schon gemerkt, aber macht einem so nen Verhalten gleich zum Buddhi oder zum Lama?

Im Islamischen z.b. werden körperlich und geistig behinderte Menschen als von Gott Gehasste Geschöpfe betitelt, die ne schwere Strafe mit ihrer Krankheit ereilt hat. Gibt so nen Buch von Henry Doherty, wo so ne Geschichte von der einäugigen Fatima gut beschrieben ist, die in der Gesellschaft wie ne Aussätzige behandelt wurde. "Gott liebt Dich nicht, Fatima" heißt das.

Find ich allerdings auch Quatsch. Ich mein, die Natur is bekannt für Natürlich- und Widernatürlichkeiten, für Normen und Formen und Abnormen. Im Grunde genommen, gehören sie auch dazu. Zwar nich als Gott oder Lama, Buddha oder Popanz, sondern einfach als einzelner Mensch und Teil der gesamten Menschheit wie jede/r andre.
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Beitragvon Miemo » 5. Dez 2007 12:01

Ich hab nochmal drüber nachgedacht, d.h. hat mir keine Ruhe gelassen, mit der religiösen Motivation solcher Felsenbilder. Ich vermute ja bald, dass der Sudanese vielleicht (weiß ich ja nich, wills auch nich behaupten) von der Kirche schon geformt wurde.

Ich mein, die Felsenbilder sind tierische, teils menschliche Abbildungen und zeigen die Ursprünglichkeit der Naturvölker dort, ihre Nähe und Verbundenheit zu den Tieren und der Natur. Ist ja auch daran zu sehen, dass die noch völlig unbefangen nackt sind, und selbst wenn sie nich den schönheitsidealen Körper nach europäischem Maßstab haben, sind die Frauen und Männer, die mit Tonerde beschmiert sind, wunderschön und haben keine falsche, von der Kirche indoktrinierte bzw. anerzogene Scham. Sie sind und leben einfach so wie Adam und Eva im afrikanischen Paradies. Ich find Afrika wunderschön und die Menschen sind menschlich, zwar nicht perfekt, aber natürlich.

Und der moderne, fortschrittliche Mensch will sich die Leute untertan machen, die Leute und deren Traditionen unterjochen, sie an seine Ideale und seinen Standard angleichen. Manche lassens mit sich machen, aber viele von denen bewahren sich ihre Traditionen.

In Psyche hatten wir jedenfalls, um auf wilde psysisch gestört anmutende Tänze zurückzukommen, dass individuelle Störungen Symptome von Familienneurosen sind, d.h. übergreifenden Gruppenkonflikten, die wiederum ihrerseits Symptom für ne kranke Gesellschaft sind. Will heißen, da wandert die Kirche ein, um zu missionieren, da wird das Stammes- und Gesellschaftssystem umgestürzt und ganz vergessen, dass die Leute überhaupt nicht krank sind, sie sind eben einfach nur anders, haben andre Werte und Traditionen, Überzeugungen, ihre eigenen Götter, wisst ihr, und dann kommt jemand dahin und meint Schamanen sind krank, die Voodootänze wär so ne Art Abreagieren von Zwängen der Tradition, der Familie, der Gesellschaft und argumentiert allenfalls mit Freud, dass die Leute aus so ner Art neurotischem Wiederholungszwang immer wieder ihre unbewältigten Konflikte reproduzieren müssen, tanzen wie Wahn und bis der Arzt kommt. Und selbst wenn die Leute, die doch nen Sklaven- und unterdrücktes Volk sind, auch noch so sehr für fortschrittliche Ziele eintreten, bleiben sie nach europäischer Auffassung doch immer außer Stande, ihre Freiheit selber (ohne missionarische und europäische Hilfe und Unterstützung) zu gestalten. Und selbst in dem Moment, wo sie im Trance ihre Unterdrücker überwunden, sich aus dem Zwang befreit, ihn abgetanzt haben, zerstören sie wie ne Kuh, die beim sich umdrehen, wenden, den vollen Milcheimer mit ihrem Arsch umkippt, ihre Chancen wieder ein, sind bereit, sich von den Missionaren erzählen zu lassen, dass ihre sklavische Gesellschaft nich fortschrittlich genug ist, dass Glück was andres wäre, Reichtum und Wohlstand, lassen sich immer weiter von ihren Traditionen, ihrer Natürlichkeit und Ursprünglichkeit entfernen dass die europäischen Psychoanalytiker ihre kultivierte Intelligenz dazu benutzen, das Unbehagen, was sie selber verursachen, die Konflikte zu dämpfen, indem sie als so ne Art systemstabilisierende Konformisten zusammen mit den Leuten den Blick von der schädlichen, oder nicht genügenden (mit Europäischem Standard verglichen) Gesellschaftsform abzuwenden, entweder in den privaten Raum zurückdrängen, d.h. dass die Leute individuell gestört und sie von der Gesellschaft abschirmen oder denen was vom goldenen Westen, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten vormachen, dass sie sich gleich recht vorkommen wie der letzte Hinterwäldler, dass es falsch und nich richtig sei, zumindest nich richtiger als den lieben, monotheistischen Gott anzubeten, der's regnen lässt und nicht die von ihnen "verehrten Götter", in welcher Gestalt auch immer. Mh, soviel mal dazu.

Liebe Grüsse
Miemo
Miemo
 

Beitragvon tlahuizcalpantecutli » 5. Dez 2007 21:06

Ja - von ihren alten Glaubensvorstellungen stammt jedenfalls kein Aids, keine willkürlich gezogenen staatsgrenzen und keine maschinengewehre in den händen kleiner Kinder, sondern von uns!
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Beitragvon Miemo » 6. Dez 2007 09:20

ja leider, tla. Meine Mutter hat früher, als sie meinem kleinen Neffen, dem Sohn von meinem big Brother, mal Schoki gegeben hat, vergessen, die Schrank- und Safetür wieder zuzumachen. Da stand der kleine Knopp, damals 3 Jahre alt, plötzlich mit der Dienstwaffe von meinem Vater im Wohnzimmer. Ist neben ihr aufn Sessel gekrauchelt, sie hat sich einmal weggedreht und schwupps hatte er sie. Haben wir uns vielleicht erschrocken.

Sah aus wie: wo will die große Knarre mit dem kleinen Mann hin. *GGG* Haben sie ihm natürlich gleich wieder weggenommen.

Was Du schreibst find ich jedenfalls ziemlich erschreckend. Letzens hab ich (hat jetzt zwar nichts mit der Sendung über Namibia zu tun) gesehn, wie im Irak die Jugendlichen an der Uni über ihren Staat hergezogen sind, junge gebildete Leute, die 1 und 1 zusammenzählen und Kritik an der Gesellschaft üben, werden einfach weggesperrt. Die Straßencafés sind überfüllt von denen, die depremiert sind und sich einen Joint nachm andren reinziehen, weil sie keine Perspektive haben, alles sinnlos ist und sie mit dem Wissen nichts anfangen und verändern können.

Stell Dir mal vor, das Einzige, was in den Internetcafes dort zugelassen ist, sind Gewaltspiele, anhand derer Jugendliche schon lernen den erklärten Staatsfeind abzuballern, mit dem sie sich allerdings insgeheim solidarisiert haben. Frauen, denen ne Haarsträhne unterm Kopftuch durchlukt werden von der Miliz gleich gefilzt und weggesperrt.

Ich denk, dass sowas viel mehr psychische Störungen verursacht als der natürliche Ackerbau und die Viehzucht der Südafrikaner, die sich nebenher künstlerisch betätigen und Zeichnungen in Felsenwände ritzen. Ich hatte mal nen Buch über die psychischen Spätfolgen bei Soldaten, die im Krieg gewesen sind. Viele von denen werden ihren Lebtag nich mehr richtig im Kopf und alles nur wegen den Scheisskriegen.

Liebe Grüsse
Miemo
Miemo
 

Beitragvon Rall Schorrdas » 6. Dez 2007 14:24

Tla:
Sei Dir da nicht zu sicher. Gewaltbereitschaft ist, genauso wie die Einstellung der Sexualität gegenüber, eine Frage der Kultur. Natürlich ist Kultur Veränderungen unterworfen und zerfällt in Milieus und dergleichen. Gerundsätzliche Änderungen aber sind hier äußerst träge und brauchen in aller Regel schon einige hundert Jahre. Und die meisten Teile Afrikas waren dann doch gar nicht so lange kolonialisiert. Und: Aids kommt aus Afrika...
Ich weiß also echt nicht, ob dieser (für die deutsche Gegenwartskultur sehr typische) Hang zur Selbstkasteiung, den Du da gerade an den Tag legst, wirklich angebracht ist.

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Rall
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Beitragvon Tyger » 6. Dez 2007 15:35

Ich habe vorletztes Jahr vier Wochen Urlaub in Namibia gemacht (die Felsmalereien aber leider nicht gesehen - es gibt dort so viel zu sehen und zu unternehmen, dass wir in der Zeit höchstens die Hälfte des Landes geschafft haben). Interessanterweise ist man als Deutscher dort sehr gern gesehen und bekommt von Schwarzen auch immer wieder gesagt, dass Deutsche immer herzlich willkommen seien, was ich so ganz und gar nicht erwartet hatte, da das Land ja schließlich mal deutsche Kolonie war. Die Pflege der Erinnerung an die deutsche Zeit geht so weit, dass in Windhook noch immer ein großes Denkmal für die deutsche Schutztruppe steht - dessen Erhalt ist zwar mittlerweile etwas umstritten, aber es steht noch.
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Beitragvon Miemo » 6. Dez 2007 18:17

Das ist ja toll, dass Du in Namibia warst, Tyger. Das mit der Gastfreundlichkeit kenn ich auch von andren Ländern. Manchmal schäm ich mich ne Deutsche zu sein und denk, ich werd gehasst, weil ich aus nem Massenmörderland komm, Hitler eigentlich ziemlich bekannt war und auch, was an Ausländerfeindlichkeit teilweise in Deutschland los ist. Andrerseits wird man meistens als einzelne Person nicht für das verantwortlich gemacht, was 1. während ner andren Zeit passiert ist, 2. was man selber nich getan hat und 3. als Sündenbock für ne ganze Nation herhalten muss.

Zumindest solltes so sein, dass es nicht so ist, dass man als einzelne Person angeschrien wird. ja, IHR! IHR Deutschen! IHR seid schuld. Wär ja nich das erste Mal. Andrerseits bin ich eigentlich auch kein Mensch, der wie Graf Rotz mit vergessnem Kleiderbügel in der Jacke durch andre Länder stolziert, d.h. von der Grundhaltung eher intressiert, als mich intressant zu machen. Ich denk, das is so, wenn man verreist, Lust auf Abenteuer und was Neues, Bildungsreisen oder einfach nur Erholungsurlaub hat und die Leute reagieren dann meist damit, dass man herzlich willkommen ist, wenn ich sogar mit offenen Armen empfangen und abgeknutscht und abgenischelt wird, dass soviel Nähe schon wieder etwas unangenehm werden könnte. *gg*

Hast Du Fotos von Afrika geschossen? *sehen will*

Liebe Grüsse
Miemo
Miemo
 

Beitragvon Tyger » 7. Dez 2007 12:53

Ja, Fotos habe ich natürlich jede Menge, aber das wäre ein bisschen viel zum Hochladen;-)
Lass Dir übrigens nicht solchen Quatsch über Deutschland einreden. Wir Deutschen dürften eins der ausländerfreundlichsten Völker auf der ganzen Welt sein (frag mal zum Vergleich z.B. die Türken, was die von diversen anderen Völkern halten) und wohl kaum ein anderes Land schmeißt derart viel an Spendengeldern und Entwicklungshilfe in die ganze Welt hinaus. Ich glaube, Kishon war es, von dem der Spruch stammt: "Wenn irgendwo auf der Welt ein Baum umfällt, kommt ein Deutscher gerannt und fegt die Blätter zusammen." Ich sehe absolut nicht ein, dass ich mich meiner Herkunft schämen sollte, und ich finde es erschreckend, immer wieder zu lesen, wie Heranwachsende schon in der Schule solche krankhaften Minderwertigkeitskomplexe einprogrammiert bekommen. Such mal vergleichsweise nach einem Amerikaner, der auch nur ein leicht ungutes Gefühl hat, weil sein Land den größten Völkermord aller Zeiten begangen hat, nämlich den an der amerikanischen Urbevölkerung - da kannst Du lange suchen!
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Beitragvon Miemo » 7. Dez 2007 17:58

Schade, ich hätt gerne Fotos geguckt *g* Ich hab etliche Alben daheim, obwohl ich die ältesten Fotos, die mit den Mäusezähnen am Bildrand noch, wo das Fotopapier schon gilbt *ggg* am schönsten. Wer weiß, wie später mal die Fotos gemacht werden. Ganz am Anfang als es noch keine Fotoapparate gab, haben die Menschen Bilder in Felsenwände geritzt, dann kamen die uralt Apparate auf, wo der Fotograf hinter nem schwarzen Tuch gebückt am Kasten hing und nen Kuckuck rausgezwitschert kam, und mittlerweile gibts so viele Kameras und Videos, kann man sogar mit Handys schon Bilder knippsen.

Das mit den Spendengeldern, der Entwicklungshilfe usw. der Deutschen ist schon gut, obwohls auch viele gibt, die die Gebefreudigkeit der Leute ausnutzen. Ich spende meistens für SOS Kinderdörfer und generell nur, wenn ich weiß, wer was mit meinem Geld veranstaltet. Ich hab nämlich keine Lust irgendnem Volltrottel unter dem Vorwand für nen guten Zweck zu spenden, das neue Laptop oder sonst nen extra Luxus zu finanzieren.

Dass Heranwachsende in Deutschland schon Minderwertigkeitskomplexe einprogrammiert bekommen ist wohl wahr, d.h. das war bei mir in der Schule so und ist auch heute noch zu beobachten. In der Hinsicht sind die Amis wirklich besser dran. Während in Deutschland nen Schüler, der bestrebt ist, zu lernen, viel zu wissen oftmals als Streber gebrandmarkt und geächtet wird, ist das bei den Amis anders.

D.h. Ehrgeiz und das Streben nach Wissen ist bei den Amis viel anerkannter als in Deutschland. Auch zwischen den Schülern selber! Hierzulande ist doch nur hipp und cool, wer möglichst nich lernt, mit dem meisten und besten Sex prahlen kann, die meisten Schimpfwörter drauf hat, am erfolgreichsten dabei ist, gegen die Werte der Eltern und gegen den Scheißstaat bzw. gegen die Gesellschaft und ihre Normen ist oder sonstirgend die Sau rauszulassen vermag, weiß, wer in den Charts ganz oben auf der Liste steht und was sonst so wichtiger im Leben von europäischen Jugendlichen ist, mehr Zeit in Anspruch nimmt als Lernen an sich und das, was man als Grundsteinlegung für ne relativ lebenswertere Zukunft bezeichnen könnte als bis zum Rentenalter am Existenzminimum umherzukrebsen oder mit Hartz4 zu leben.
Miemo
 


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