von Daimao_Koopa » 27. Dez 2011 19:07
@blackfox:
Eigentlich bin ich kein großer Freund von Romanen - und deswegen habe ich diese Bücher auch nicht gelesen - aber das Thema an sich
ist natürlich sehr interessant. Erst einmal ist die beschriebene Situation gar nicht so abwegig, da es in unserer Realität ebenfalls zwei oder mehr Welten
gibt. Dieser "andere Ort" scheint mir, der Beschreibung nach, dem Aether ziemlich ähnlich zu sein und deckt sich in der Definition im Groben mit der von
Cass XI. Diese Welt des Aethers, wo alle Dämonen leben, hat die Eigenschaft vollkommen wandelbar zu sein, d.h. es herrschen keine formalen Gesetze
wie Schwerkraft, Wirklichkeit, oder Analogie. Eine Welt mit solchen Vorraussetzungen kann ein Verstand, wie Menschen ihn haben, nicht begreifen.
Um dieses Problem zu umgehen, passt sich die wirre Welt der Dämonen den Vorstellungen seiner weltlichen Besucher an, was bedeutet, dass jeder
Mensch die Welt der Dämonen anders wahrnimmt.
Eine Reise an diesen dunkelsten aller Orte ist mit konventionellen Mitteln nicht möglich. Um in den Aether zu gelangen, muss sich der Geist vollständig
vom Körper trennen können. Bei der Astralreise bleibt der Geist zu einem Teil im Körper, um eine Rückkehr zu ermöglichen. Allerdings kann der Geist so
die Welt des Aethers nicht essentiell genug wahrnehmen können und deswegen noch von solchen Eigenschaften wie Farbe oder Form beeinflusst werden.
Um wieder auf den reinen Aether und die Möglichkeit ihn zu betreten zurück zu kommen; schafft es ein losgelöster Geist den Aether zu betreten, so wird
er Eins mit demselben werden. Der Aether ist der Stoff, aus dem menschlicher Geist gemacht ist und umgekehrt. Durch diese Vereinigung wird der Geist
zudem auch den verändernden Mächten des Aethers ausgesetzt. Die "Erfahrungen" die man als sterblicher Geist im Aether macht, sind völlig anderer
Natur als weltliche Erfahrungen - wie genua lässt sich leider nicht beschreiben - was dazu führt, dass sich unter anderem auch die Art der Wahrnehmung
des sterblichen Geistes verändert. Wie diese Veränderung aussieht, hängt ganz vom jeweiligen Geist ab.
Sollte es dem sterblichen Geist auf eine Weise möglich sein den Aether zu verlassen und wieder in einen Körper zurück zu kehren, so nimmt er einen
Teil der dämonischen Ebene mit sich. Diese grundlegende Veränderung, die der Geist erfahren hat, wirkt auf Dämonen wie eine Art Erkennungsmarke.
Ein Dämon kann spüren, dass sein Gegenüber eine Reise in den Aether durchgemacht hat - er spürt die Essenz, die der Sterbliche in sich trägt - und
allein diese Tatsache räumt dem Sterblichen bei allen Dämonen einen großen Respekt ein, denn als Sterblicher eine Reise in den Aether erfolgreich
durchgeführt zu haben und zudem den verändernden Mächten stand gehalten zu haben, zeugt von außergewöhnlichem magischen Talent.
Gäbe es demnach einen (theoretischen) Weg seinen Geist vollends vom Körper trennen zu können (den Tod ausgenommen), dann wäre ein solches
Szenario, wie im Buch beschrieben durhaus möglich.
Was die Möglichkeit einer "Freundschaft" zwischen Mensch und Dämon angeht, kann man das Verhältnis zwischen einem Mensch und einem Hund
gut als Vergleich gebrauchen. Mensch und Hund können auf einer gemeinsamen Ebene eine Beziehung aufbauen, indem sie aufeinander eingehen
und die Kommunikationsweise des anderen zu verstehen lernen - natürlich nur soweit sie dazu fähig sind.
Mensch und Hund müssen lernen den anderen als ein Wesen wahr zu nehmen, das sich auf ihrer Wellenlänge bewegen kann und fähig ist die Sprache
des anderen zu verstehen. Der Mensch kann den Hund wahrnehmen als das, was er ist - ein Hund. Der Hund aber, kann den Menschen nicht als
Menschen wahr nehmen - nur als einen anderen Hund.
Hier entsteht das Problem, dass der Hund nun vom Menschen erwartet von diesem zu 100% richtig verstanden zu werden; und zwar als Hund!
Der Mensch, der den Hund zwar als Hund wahrnimmt, spricht aber auch nur die Sprache der Menschen. Er hat jedoch den Vorteil sich in den Hund
hinein versetzen zu können, um so die Wünsche und Erwartungen des Menschen zu deuten.
Der Hund wedelt nun mit dem Schwanz und erwartet eine Begrüßung des Menschen. Der Mensch deutet die Freude des Hundes korrekt und beugt
sich zum Hund herab, um ihn zu umarmen - als Begrüßung. Der Hund aber nimmt die Umarmung als Bedrohung wahr und da er den Menschen nich
kennt, setzt er sich zur Wehr. Der Mensch versteht diese Reaktion aber nicht. Er hat doch alles richtig gemacht und trotzdem reagiert der Hund
auf seine freundliche Geste aggressiv...
Im besten Fall wird der Mensch sich jetzt vom Hund abwenden und die Beziehung mit einem Gefühl von Wut und Unverständnis beenden. Im schlimmsten
Fall schlägt der Mensch mit dem nächstbesten Gegenstand auf den Hund ein - das bestätigt den Hund in seiner Reaktion und er wird noch wilder.
Den Rest kann man sich nun ausmalen.
Die eben beschriebene Situation geht von einer Situation aus, in der ein Beteiligter geistig überlegen und der andere Beteiligte körperlich überlegen
ist. In der Begegnung Dämon - Mensch fällt die körperliche Komponete aber weg... Zudem muss man auch noch in Betracht ziehen, dass ein Dämon im
Vergleich zu einem Menschen viel mehr Wissen besitzt und - ähnlich wie bei Mensch - Hund - sich in den Menschen hinein versetzen kann, was der Mensch
im bezug auf den Dämon nicht kann.
Dann ist da auch noch die Komponente mit der Motivation... Es heißt nicht umsonst "Traue niemals einem Dämon". Ein Mensch kann oftmals von einem
Dämon benutzt werden, ohne es zu bemerken oder die Ausamaße der Manipulation zu begreifen - ähnlich wie ein Hund die Motivation des Menschen
nur erahnen, aber nicht verstehen kann.
Demnach würde ich sagen, dass eine wahre Freundschaft zwischen Dämon und Mensch von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
