von Eno » 26. Jul 2011 10:34
Aus Eno’s Reihe mit praktischer Lebenshilfe für den angehenden Großstadtschamanen:
Heute: Esotanten abzocken - oder wie fälsche ich „Heilsteine“
Teil 1 Achat
Achat kann man in der Natur in den Farben mattrot, rosa, orange, braun, gelb, grün, grau oder schwarz finden, aber als echte „Großstadtschamanen“ latschen wir bestimmt nicht tagelang durch irgendwelche öden Gegenden, in denen man in Kuhscheiße tritt und meilenweit kein kaltes Bier bekommt.
Eine Alternative wäre sicherlich der gut sortierte Fachhandel oder die Mineralienmesse, aber dort verlangen die doch tatsächlich, dass man für die Steine bezahlt.
Ein echter Großstattschamane bezahlt nicht für sein Hobby, er verdient daran!
Man kann sich schließlich nicht mit irgendeiner profanen Erwerbsarbeit abgeben, wenn man zu höherem berufen ist.
[P. S. Achate in Kobaltblau, Magentarot, Lila oder Pink kommen in der Natur nicht vor , so was kann man höchstens der Uriella Fraktion unter den Lichtis als Heilstein verkaufen, aber da wir auch davon sicherlich ein paar unter unseren Kunden haben, beziehen wir deren „Herstellung“ hier mal mit ein !]
Wir nehmen also den billigsten hässlichen grauen Botswana Achat, den man irgendwo kiloweise zu Ramschpreisen kaufen kann, und färben um.
1. Rotbrennen, dem indischen Zweig unserer schamanischen Vorfahren schon seit 200v. Chr. bekannt. Eisenverbindungen, die in unserem billigen Ausgangsmaterial als kleine schwarze Einschlüsse vorhanden sind, werden durch brennen rotbraun und geben dem Stein eine blassrote bis braunrote Farbe. Das Endergebnis taufen wir „Aprikosen-Achat“ und verkaufen es, ganz legal, mit einem schönen Gewinn.
2. Schwarzfärben mit Honig wurde schon von den alten Römern praktiziert, als Feinschmecker schworen sie auf korsischen Honig, den sie auf die Steine einwirken ließen. Anschließendes mäßiges Erhitzen führt zum Verbrennen des Zuckers und erzeugt Farben von Karamel bis Schwarz. Moderne Variante davon ist einlegen in Zuckerwasser und anschließendes Verkohlen mit konzentrierter Schwefelsäure.
3. Grün erhält man durch ein Bad in Nickel- oder Chromsalzen
4. Für Blau verwendet man eine ungiftige Blausäureverbindung
5. Gelb erhält man durch kochen in konzentrierter Salzsäure
Alle diese Färbungen sind dauerhaft und nicht mehr rückgängig zu machen.
Da einzelne Schichten des Achats verschiedene Farben unterschiedlich gut aufnehmen, kann man auch bunt gemusterte Achate herstellen (Lagensteine)
Das Färben von Achat gilt als übliche Praxis, daher ist es von der Deklarationspflicht die ansonsten bei allen künstlich gefärbten Steinen gilt ausgenommen. Also nix Betrug
Da dieses Forum für fortgeschrittene Magier und Schamanen ist, brauch ich über die „Heilwirkung“ dieser Steine wohl nichts mehr zu sagen, die schauen wir in unserer „Fachliteratur“ (z.B. Gienger: Lexikon der Heilsteine) nach, bieten unseren Kunden das übliche Gelaber und schamanische Drumrum und fahren einen satten Gewinn ein.
Und während unsere freilebenden Verwandten, die Feld-Wald- und Wiesenschamanen, sich noch irgendwo in der Wildnis Blasen an den Füßen holen und Steine suchen, sitzen wir in der Kneipe bei einem gepflegten Bierchen und lästern über unsere dummen Kunden.
Gruß
Eno
V.I.T.R.I.O.L.