von triyann » 5. Okt 2011 09:21
Habe mich noch etwas weiter mit den Taliesin und Co – Werken beschäftigt und etwas herumexperimentiert.
Auffallend ist bei allen Dichtungen dieser Art, dass sie etwas beschreiben, was eigentlich unaussprechlich ist. Sie beschreiben und stellen Fragen, deswegen ist das von Fog geschriebene Beispiel unvollständig, dennoch im Kern nicht falsch. Um es aber verbalmagisch und rituell zu nutzen, könnte die Profanität des Alltäglichen stören.
Den Kern und Sinn dieser Art der Dichtung habe ich jetzt verstanden, nachdem wir uns in einem anderen Forum über das „Sein“ unterhielten. Das „Sein“ in normale Worte zu fassen und zu definieren, ist nahezu unmöglich, es ist eben zu großen Teilen eine Geschichte, die intellektuell und gefühlsmäßig erfaßt werden will.
Daher habe ich in meiner Ratlosigkeit einen Versuch mit dieser Art der Mitteilung gemacht und nach Art dieser Dichtung wie folgt geschrieben:
Ich bin das Vergehen und das Werden,
ich bin der Atem, der Dich atmen läßt,
ich bin der Atem, der Dich erstickt,
ich bin das reinigende Wasser,
ich bin das Wasser, in dem Du ertrinkst,
ich bin das wärmende Feuer,
ich bin das Feuer, welches Dich verbrennt,
ich bin die Erde unter Dir,
ich bin die Erde, welche Dich bedeckt,
ich bin der Himmel über Dir,
ich bin der Himmel, der Dich erschlägt,
ich bin die kriechende Schlange,
ich bin der rennende Wolf,
ich bin das blökende Schaf,
ich bin die nährende Kuh,
ich bin der stille Stein,
ich bin der rauschende Baum,
ich bin die Kraft, die Dich wirken läßt,
ich bin die Kraft, die auf Dich wirkt,
Was sonst soll ich sein? Was sonst läßt Dich
den Geist fühlen, die Seele berühren, was
sonst soll das Göttliche sein?
Wer sonst läßt Deine Sinne das Grundlegende
erkennen, wenn nicht ich, das alles ist, was ist?
(Taliesin mag mir meinen dilettantischen Versuch verzeihen, ich übe noch…)
Nimmt man sich jetzt diese Worte, lernt sie auswendig und rezitiert man sich diese in einer meditativen Stimmung (Vorlesen lassen geht auch), fängt man Stück für Stück an, zu verstehen. Nicht in der Art des „Einbläuens“ wie es Propagandisten tun, sondern es erschließt sich durch die Erweiterung des Geistes, der sich während dem Procedere einstellt, was das Beschriebene ist.
Das geht mit allem, was man nicht beschreiben, sondern nur erfahren kann, um es wirklich zu verstehen. Bewußtsein, Göttliches, Dämonisches, was auch immer.
Und man sollte sich auch gut überlegen, was man schreibt, ich fürchte, man kann auch auf sehr holperige Wege kommen, wenn man beim Schreiben der Zeilen nicht sorgfältig ist.
Auf jeden Fall eine interessante Erfahrung. Lohnt sich, weiter zu experimentieren.
...so ist weniger entscheidend, was der Lernende vom Lehrenden lernt, sondern der Lehrende vom Lernenden...