von Chymbau » 6. Okt 2011 16:09
Orden, oder sollte man hier im Bezug besser sagen, Geheimgesellschaften?
Ein Thema, welches gleich einem Running Gag, immer wieder auftaucht. Und speziell bei den jungen Suchenden immer wieder die Neugierde weckt. (Versteht dabei bitte das Junge, nicht als Bezug auf das Lebensalter.)
Leider scheint dies Thema hier, wegen Missverständnissen, aus dem Ruder gelaufen zu sein. Dabei könnte es zu einer Entscheidungshilfe für Suchende werden.
Auch in Hinsicht darauf, dass das Forum gerade in einem Zeitschriftenartikel benannt wurde, könnten hier neue, an Orden interessierte Seelen vorbeischauen.
Zitat: …. Die Öffentlichkeit erfährt von so okkultem Treiben lediglich in anonymen Internetforen wie „Satanshimmel“ oder „Dämonenforum“. …….
Wunderwelt Wissen, Ausgabe September 2011, „Die Geheimlogen der Dämonenbeschwörer“
Aufgrund unserer unterschiedlichen Erfahrungen wäre es gegeben, die Für und Wieder, einmal möglichst wertungsfrei gegenüberzustellen.
Damit kann und soll natürlich niemanden die persönliche Entscheidung abgenommen werden. Aber eventuell eine Handhabe gereicht sein, zur eigenen Entscheidungsfindung.
Im Folgenden will ich einmal versuchen einige Punkte des Für und Wieder darzulegen. Diese stellen natürlich nur einen Teil dessen dar, was einem begegnen könnte. Jedoch nicht nötigerweise jene Erfahrungen, welchen man in den einzelnen Gruppen auch wirklich begegnen wird.
Pro Orden:
• Man kann dort auf seine Initiation vorbereitet werden. (Die Weltliche auch erhalten.)
• Einsteiger erhalten die Möglichkeit, das Grundlagenwissen zu erwerben.
• Mit klarer Struktur des Weges fällt es manchen leichter, bei der Sache zu bleiben.
• Durch Einteilung in aufeinander abfolgende Stufen sollte eine Überforderung vermieden werden.
• Es wird ein einheitliches Wissen vermittelt.
• Man befindet sich im Kreis von Menschen, welche die gleichen Bestrebungen und Ziele haben.
• Das Vorbild derer welche schon weiter sind kann einen motivieren.
• Erfahrungen lassen sich auf der Basis des gleichen Wissens leichter miteinander besprechen.
• Eigene Fehler und Gefahren lassen sich minimieren, wenn Fortgeschrittene darauf hinweisen.
• Gruppenrituale verbinden und könnten einen stärkeren Kräftefluss entwickeln als die Arbeit allein.
• Es stehen oftmals spezielle Räumlichkeiten für Rituale und Tempelarbeit zur Verfügung.
• Der Aufstieg in einen höheren Grad ist für manchen ein wichtiges Erfolgserlebnis.
Kontra Orden:
• Entsprechend der Gruppenausrichtung unterliegt man teilweise einem Systemzwang.
• Es wird eventuell nur das Wissen vermittelt, welches den Ordenszielen entspricht.
• Der individuelle Fortschritt kann, durch die Vorgabe einzelne Grade durchlaufen zu müssen, gebremst werden.
• Wenn die Unterteilung der Wertschätzung mit Bezug zu der erworbenen Graduierung erfolgt. (Eventuell auch abhängig vom Rang in der profanen Hackordnung.)
• Man muss sich auch mit eher unangenehmen Personen arrangieren. Im eigenen Privatleben ist dies wohl eher unerwünscht.
• Gebote über die Interna zu schweigen, erschweren es auch andere Sichtweisen zu gewinnen. Für Außenstehende könnte man, sofern man sich daran hält, abweisend wirken.
Meine absoluten No Go’s: (Bei diesen Punkten würde ich eine sofortige Trennung empfehlen.)
Wenn ein Personenkult betrieben wird. Dabei ist es egal, ob es sich um noch lebende oder schon verstorbene Personen handelt.
Bei dem Anspruch der Gruppe den einzig wahren und richtigen Weg zu kennen.
Sobald sich eine gelenkte Entfremdung von Familie und Freunden absehen lässt.
Wenn in Namen der Vervollkommnung von einem gefordert wird, sich erniedrigenden Praktiken zu unterziehen. (Stichwort Ekeltraining usw.)
Wenn der Gebrauch von so genanten bewusstseinserweiternden Mitteln empfohlen oder praktiziert wird.
Bei allem was die eigene körperliche Unversehrtheit gefährdet, bzw. die Entscheidungsfreiheit bezüglich der eigenen Sexualität beschneidet.
Bei übertriebenen Forderungen sich finanziell einzubringen.
Soweit erst einmal einige Punkte die man in seine Abwägung einbeziehen könnte.
Ich will nicht versäumen euch auch meine persönliche Meinung zu diesen Gruppierungen darzulegen.
Sofern sich Leute auf gleicher Augenhöhe zusammenfinden um solch eine Interessengemeinschaft zu führen stehe ich dem eigentlich wohlwollend gegenüber. Leider menschelt es in diesen Gruppen oft schon nach kurzer Zeit. Sodass die Arbeit am eigenen Selbst zur Arbeit am Anderen verkehrt wird. (Ja, es ist so gewollt, dass man diesen Satz auf mehrere Arten verstehen kann.) Idee und Ideal bleiben dabei natürlich auf der Strecke zurück. Für mich persönlich hat sich daher gezeigt, dass ich besser allein zurechtkomme. Was freundschaftliche Kontakte natürlich nicht ausschließt.
Hier gehe ich entsprechend meiner Denkart und Erfahrung noch einmal näher auf einzelne Punkte ein. Dies ist jetzt natürlich eine sehr subjektive Sichtweise und Auslegung.
Beim Personenkult wird man immer wieder eine Herabsetzung derer vorfinden, welche den sogenannten Lichtgestalten nachfolgen. Dies kann dadurch kommen, dass man es von anderen aufoktroyiert bekommt oder sich selbst einredet. Sie werden zu Maß der Dinge gemacht, nach dem der eigene Erfolg bemessen wird. Ob man sich dann traut oder noch fähig ist über sein Idol hinauszuwachsen, bleibt fraglich.
Also was auch immer andere erreicht und vollbracht haben mögen, es ist meines Erachtens ausreichend, dies anzuerkennen und zu respektieren. Sie mögen vielleicht schon ein Stück weiter sein aber deshalb sind sie noch nicht besser wie wir anderen. Egal ob jetzt Jesus oder Crowley und dergleichen große Namen, sie können ein Vorbild sein. Der Maßstab, nach dem wir uns richten, sollte aber die eigene Fähigkeit sein, zu wachsen, ohne Schaden zu nehmen.
Zum Thema Gewalt möchte ich noch erwähnen, dass sie sich nicht nur auf körperliche Übergriffe beschränken muss. Vielmehr gibt es eine wesentlich subtilere Form des Übergriffs. Mit entsprechenden psychologischen Tricks werden die Opfer soweit gebracht, dass sie Dinge tun, welche ihnen zuwider wären. Es geht sogar soweit das sie glauben sich und anderen etwas Gutes zu tun. Bekannt dürfte so etwas aus dem negativen Sektenwesen sein. Und ich betone deutlich das es nicht nur die sogenannten Schwachen zu treffen vermag. Auch gestandene Persönlichkeiten sind schon in diesem Strudel gelandet.
Zum Punkt des lieben Geldes. Es dürfte jedem einleuchten, dass eine Vereinigung gleich welcher Couleur immer auch Kosten verursacht. Seien es nun Büromaterialien, Mietkosten oder Ritualbedarf. Das alles will ja irgendwie bezahlt werden. Je kleiner eine Gruppe ist desto stärker wird man sich zum Beispiel an den Kosten für den Unterhalt eines Tempels beteiligen sollen. Soweit ist es auch gut und gerecht.
Ich für meinen Teil sehe aber keinen Sinn darin, irgendeinen selbst ernannten Meister, ein angenehmes Leben zu finanzieren. Auch das Durchfüttern eines Großordens, damit sich ein paar wenige „Erhabener größter der großen Großmeister“ nennen können, stößt bei mir auf Unverständnis.
Hier gebe ich noch zu bedenken, dass sich Erkenntnis und Weisheit ebenso wenig kaufen lassen, wie Freundschaft und Liebe.
Jetzt fehlt natürlich noch eine Möglichkeit, sich ein klares Bild von der Gemeinschaft zu verschaffen, die das Interesse erregt hat.
Um es ehrlich zu sagen ich glaube diese gibt es nicht wirklich. Weiter oben wurde in diesem Thread ja auf das Thema mit den Links der einzelnen Gruppen hingewiesen. Danke dafür, es ist ein guter Ansatzpunkt. Doch seien wir ehrlich, jede Organisation wird sich auf ihrer Internetseite bemühen immer im schönsten Licht dazustehen.
Dann könnte man noch auf Aussteiger mit Mitteilungsbedürfnis zurückgreifen. Hier kommt aber auch gleich mal die Frage, warum sie ausgestiegen sind. Oder hat man sie rausgeworfen? Bei einer Trennung im Streit werden sie nicht viel Gutes an ihren alten Orden lassen. Vermutlich verlangen die meisten (okkulten) Orden auch einen Schwur über ihre Interna zu schweigen. Wie ist nun jemand zu werten der sich nicht an seine abgelegten Eide gebunden fühlt?
Am besten wäre es sicherlich, die Menschen eine Zeit lang außerhalb des Ordens kennenzulernen. Eventuell mit einer Vertrauensperson, welche dahin gehend eher kritisch ist. Völlige Klarheit wird man aber immer erst dann finden, wenn man dazugehört. Dann kann es aber auch schon wieder zu spät sein. Wie auch immer die Suchenden müssen einen nicht unerheblichen Vertrauensvorschuss mitbringen, wenn sie irgendwo anklopfen.
Was noch fehlt:
Zur Thematik von Egregore oder sonstigen Kräften und Wesen in Orden habe ich nichts erwähnt. Um diese Bereiche fundiert zu behandeln, fehlen mir die nötigen Kenntnisse. Wie weit das Wissen darum nötig ist, um eine Entscheidung für oder gegen den Eintritt in eine Gemeinschaft zu treffen, kann ich also nicht beurteilen.
Grüße Chymbau
Toleranz ist die Überheblichkeit derer, welche nicht respektieren, dass man anders denkt. (Chymbau)